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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 11 · p. Seite 514

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 11
Article
Der Ursprung der Gemeinde Kremsier
Date
1895-01-01
Page
Seite 514 (sequence 2)
Language
German
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514 Der Ursprung der Gemeinde Kremsier. sollen Schriftthנבעוe wird nur einmal der Name Kremsier erwähnt, den in Krems umzuwandeln freilich neuere Forscher sich bemühen. Nach einer mir vorliegenden Aufzeichnung ohne Quellenangabe wurde den Juden zum Lohne dafür, dass sie die Feinde der Kirche besiegen halfen, im Jahre 1318 gestattet, aus der Vorstadt in die Stadt zu ziehen. Die älteste authentische Urkunde jedoch über die Ein- Wanderung der Juden datirt erst aus dem Jahre 1322. Am 9. August 1322 nämlich brachte König Johann von Böhmen und Polen allen Gutgesinnten zur Kenntniss, dass er mit grossem Interesse den Gehorsam und die Verdienste des erlauchten Fürsten, des Bischofs Conrad zu Olmütz, bemerkt habe und dass er ־wohlwollend ihm und seinem gesammten Capitel gestatte, in jeder beliebigen von seinen vier Städten und zwar in Zwittau, Muglitz, Kremsier und Wischau, einen Juden halten und schützen zu dürfen 1), welcher sowohl von den pflichtschuldigen Abgaben der Juden, als auch von anderen befreit, den geltenden Rechtsbestimmungen nicht unterworfen sein, und sich bloss um diesen Bischof und dessen Kirche von Olmütz kümmern und ihm allein Gehorsam schulden sollte. in Kremsier ihre Residenz auf schlugen, hier einen grossen Prunk entwickelten und hohe Gäste längere Zeit־ auf ihrem Schlosse bewirtheten, werden Juden, in deren Händen damals fast ausschliesslich Handel und Gewerbe lagen, am bischöflichen Hofe ein reiches Absatzgebiet für Südfruchte, köstliche Weine und Leckerbissen gefunden haben. Selbst weniger judenfreundliche Bischöfe duldeten sie ans commerciellen und politischen Rücksichten, damit sie die Erzeugnisse des gesegneten Hannabodens veräussern helfen. Und vielleicht ist es u. A. auch diesem rastlosen, den städtischen Wohlstand befördernden Gesehäftseifer zu danken, dass im Mittelalter die europäische Handelsstrasse durch Kremsier ging. 2) Mit Unrecht hält daher Dudik (Allgemeine Geschichte Mährens IV, S. 211—216־) den Sklavenhandel für das Hauptgeschäft der damaligen Juden Mährens. Sie können übrigens schon darum christliche Sklaven unmöglich schlecht behandelt haben, weil diese trotz des Verbotes des Herzogs Ladislaus I. (1124) freiwillig bei den Juden blieben. Auch trifft wenigstens die Kremsierer Juden der Vorwurf nicht, dass sie durch Wucher Bauernhäuser oder Güter an sich gezogen hätten. In den Archiven findet sich keinerlei Beweis für diese Behauptung. Es ist vielmehr urkundlich erwiesen, dass sie selbst Anleihen zu den landesüblichen Proeenten bei den Christen aufnahmen und diesen einen Theil des Gewinnstes von den Geschäften gaben, zu deren Abwicklung sie, eben nach Dudik, durch ihre Geschicklichkeit, angeborene Sparsamkeit und ihren überwiegend praktischen Verstand die beste Eignung hatten. Uebrigens waren unter den jüdischen Ureinwohnern Kremsiers fast alle Handwerker wie Schneider, Schuster, Eleischer, Glaser, Kürschner, Posamantirer, Knopfmacher, und Goldschmiede vertreten.

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