Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Hebräische Handschriften-Fragmente in der Stadtbibliothek zu Trier
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 500 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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500 Hebräische Handschriften-Fragmente zu Trier. kaimt. Es bestätigt sich in der That, was Zunz, ohne ihn zu kennen, im voraus über ihn vermuthet hat, dass er grosse Aehn־־ lichkeit mit dem französischen habe. Die nahe Verwandtschaft beider Eiten tritt aber noch viel deutlicher hervor, wenn wir den englischen Siddur mit unseren Fragmenten vergleichen. Gar Manches, was Kaufmann als eine Abweichung vom französischen Ritus erschienen und darum als eine Eigentümlichkeit des englischen von ihm angesehen worden ist, findet sich genau so in unseren Handschriften1), und wer weiss, wie viele scheinbare Differenzen sich noch weiter als gemeinsame Erscheinungen beider Eiten herausgestellt hätten, wenn von unseren Hss. mehr als Bruchstücke erhalten geblieben wären. Ebenso bieten unsere Fragmente auch Einzelnes dar, was Zunz als Eigenthümlichkeit des Ritus von Burgund aufführt, wie z. B. der Wegfall des poetischen Silluk vor der Keduscha an Sabbathen und Festtagen und die Benutzung des אתה הנחלת neben anderen Asharoth am Wochenfeste (Ritus 68 f.). Man sieht hieraus, dass diese Eiten überhaupt nicht so streng von einander geschieden waren, wie man nach Zunz anzunehmen geneigt sein müsste, vielmehr sind offenbar manche Differenzen zwischen denselben einfach darauf zurückzuführen, dass der französische Ritus selbst zu jener Zeit in mancher Beziehung noch flüssig gewesen ist und in freieren Formen sich bewegt hat. Dass insbesondere in Bezug auf die Auswahl gewisser Pijjut-Stücke nicht nur der Ofan und Sulath, sondern auch des Jozer und selbst der Keroba damals in der That noch eine gewisse Freiheit vorwaltete, zeigen unsere Fragmente an manchen Stellen deutlich-). Endlich sei noch bemerkt, dass dieselben auch noch einzelne sehr beachtenswerthe Erscheinungen aufweisen, die Ü So z. B. die Verse nach Ps. 82 im Morgengebet vor עלינו, die Weglassung der Verse ד׳ הושיעה und ל רחוםK כי nach dem והוא רחום des Abendgebetes, die Einschaltung des אלהיכם אני פצתה in der Keduscha des Mussaph für Sabbath, der Fortfall des אמר רבי יוחנן am Sabbath־ Ausgang, die ftecitirung de3 Verses אלה מועדי ד׳ im Maarib der Festtage u. A. m., worüber weiter unten zu vergleichen ist. 2) Abgesehen von der in M2 und ־Mß enthaltenen Zusammenstellung einer Keihe von Ofan, neben Barchu, Kaddisch u. 8. w., findet sich noch ausdrücklich in M2 die Bemerkung: ויבחר לו אופן כמו שירצה zum ״Grossen Sabbath“ und eine gleiche zum Morgengebet am 7. Pessachtage; ebenso bietet dieselbe Handschrift für den genannten Sabbath zwei Sulath zur Auswahl dar, desgleichen 2 Jozer für den 2. Schabuoth- Tag, wie auch 2 Asharoth für denselben Tag. Zwei Keroboth für den 2. Pessacbtag bat wieder M1.