Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Nathanael Trabot über die Behandlung der Gebete in der Composition
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 5)
- Language
- German
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354 Nathanael Trabot über die Gebete in der Composition. Dreimalheiltg oder Höre Israel müssen von diesen Einflüssen der Composition durchaus freigehalten werden. An diesem Grundsätze sei umso strenger festzuhalten, als selbst eine Autorität seines Faches, ja sein Begründer wie Salomo de Bossi niemals eine Willkür gegen diese geheiligten Bestandtheile des Gebettextes sich herausgenommen hatten. Trabot konnte sich auch darauf berufen, dass seine verstorbene Gemahlin. Judith, die selbst durch bemerkenswerthe musikalische Kenntnisse ausgezeichnet war und künstlerisch die Zither spielte, Ihm oft eine Composition des Dreimalheilig vorzutragen pflegte, ohne dass sie ein Wort des Ganzen zu wiederholen wäre gezwangen gewesen. Es sollte darum in Sinigaglia bei dem synagogalen Chorgesange mit den angeordneten Einschränkungen auch weiter sein Bewenden haben. Vor Allem aber sollte der Friede der Gemeinde wie ein Augapfel gehütet werden. Trabot konnte sich auf ein Gutachten Jechiel Trabot’s, seines Onkels, des Bruders seines Vaters Benjamin, dafür berufen, dass jede Neuerung, die Unfrieden zu stiften geeignet war, auf das Strengste zu vermeiden sei. Darum sollte jener anstössige Einfluss der Melodieen aufgehoben, im Uebrigen aber dem kunstmassigen Gesange im Gotteshause sein schwer erworbenes Recht gewahrt werden. Trabot brauchte nur auf die in Aller Erinnerung lebenden unglückseligen Verheerungen hinzuweisen, die der Unfriede in italienischen Gemeinden angerichtet hatte, um seinen zur Eintracht mahnenden Vorstellungen den gehörigen Nachdruck zu leihen. War doch ein durch so fürstliche Reichthümer ausgezeichnetes Haus wie das wohl von Elchanan von Bologna1) abstammende der Fano in Reggio durch solche Zwistigkeiten in der Gemeinde an den Rand des Abgrundes gerathen. Mehr als ein Vermögen von 100 000 Scudi soll in Folge dieser Vorgänge verschlungen worden sein. Auch in der Gemeinde Rovigo hatten Spaltungen in Folge solcher Streitigkeiten den finanziellen Ruin der Gemeinde nach sieh gezogen. Abraham Josef Salomo Graziano war auch in dieser Frage nach der Statthaftigkeit des synagogalen Gesanges der treue Schüler seines Meisters und Vorbildes, des Rabbiners Nathanael b. Benjamin Trabot. Er sah darin so wenig eine verbotene Nachahmung fremder Einrichtungen, dass er, der selber musikverständig und notenkundig war, selbst gegen den Gebrauch x) ,שלשלת דג־ןבלד ©d. Venedig 65b. Ihm gehörte eod. Günzburg 797.