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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 8 · p. Seite 352

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 8
Article
Nathanael Trabot über die Behandlung der Gebete in der Composition
Date
1895-01-01
Page
Seite 352 (sequence 3)
Language
German
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352 Nathanael Trabot über die Gebete in der Composition. Man hat mit Recht darauf hingewiesen, dass Salomo de Rossi von Mantua, der grosse Regenerator des synagogalen Gesanges, eigentlich das jüdische Gegenbild des unsterblichen Pierluigi da Palestrina und seiner Leistlingen auf dem Gebiete des Kirchengesanges darstellt1). Seine ״Gesänge Salomo’s“ hatten allgemach eine Umwälzung in den Gesangsweisen aller Synagogen Italiens hervorgerufen. Der Boden war vorbereitet, in dem sangesfrohen Lande hatte es selbst im Ghetto der Musik und Gesangskunst an eifriger Pflege nicht gefehlt2). Der mehrstimmige Gesang drang in die Synagoge ein; die Alleinherrschaft der Yorbeter war gebrochen. Junge Männer aus den besten Häusern, selbst rabbinisch geschulte, graduirte Gelehrte wetteiferten, am Chorgesang im Gotteshause theilzunehmen und zur Verherrlichung der Liturgie vor der Gemeinde beizutragen. Aber die musikalischen Gesetze hatten einen bisher בנעerhörten Zwang gegen die Gebete im Gefolge, die Compositionen schalteten mit herausfordernder Willkür über die Texte; als wären die Worte nur der Melodie wegen da, der sie untergelegt wurden, mussten sie Wiederholungen sich gefallen lassen, die allem Herkommen widersprachen. Besonders verdriesslich und anstosserregend wirkte dieses Prokrustesbett der Melodie, wenn der heilige Gottesname oder so solenne Gebete wie das Höre Israel oder das Dreimalheilig, die Krone bei den Sefardim genannt, das Opfer solcher gewaltsamer Dehnungen und Wiederholungen wurden. Zu besonders heftigen Kämpfen hatten diese Wirkungen des neuen synagogalen Gesanges in der Gemeinde Sinigaglia Anlass gegeben. In dieser sangesfrohen Gemeinde hatten sogar zwei Yereine bestanden, die es sich zur Aufgabe machten, durch ihre Chöre den Gottesdienst an Festtagen und bei feierliehen Anlässen, wie bei Hochzeiten und ähnlichen Gelegenheiten zu verherrlichen. Einen Streit zwischen diesen lange friedlich neben einander wirkenden Vereinen hatte Nathanael Trabot durch seine Autorität3) geschlichtet. Der Rabbiner von Sinigaglia, Samuel Corcos, derselbe, der Graziano’s Yater am 7. November 1643 In Pesaro die Grab־־ 1) Dr. A. Ackermann in Winter-Wünsche, Jüdische Litteratur, II, 519. 2) Ed. Birnbaum im Union-Kalender 1893. 3) Das Kesponsum Tiabot’s aus Modena פ׳חיים כולכם היום כתפארת אדם לשבת בית לפ״ק (wohl 1652 בית) befindet sich in demselbe 1 Sammelbande.

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