Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Juden in China
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Juden in China. 329 ist unentschieden. Ob ihnen die Mischnah bekannt war, ob sie eine Gemara mitbrachten, weicher Art ihre Gebete waren, ob sie rielleicht Karäer waren, darnach hat sie Niemand gefragt, und das uns vorliegende Material berechtigt zu keiner Ent״ Scheidung. Ibn Batuta’s Behauptung!) (1346), in Hangtschou (er schreibt אלכנסא alchansä) seien Muhammedaner, Juden und Christen ansässig gewesen, beruht nur auf Hörensagen. Dasselbe sagt er fast von jeder grossen Stadt, die er beschreibt. Unmöglich ist es nicht, da während der mongolischen Herrschaft (1260 —1368) China einen lebhaften Verkehr mit Centralasien unterhielt. Bis zum englischen Vertrage von 1842 war nur Canton in der südlichen Provinz Kuangtung dem internationalen Verkehr eröffnet. Durch jenen Vertrag kam die Insel Hongkong in den Besitz Englands, und mehrere Häfen wurden dem fremden Handel erschlossen. Die ersten Juden, welche sich an dem neuen Handelsverkehr betheiligten, kamen aus Bombay, wohin sie im Anfang dieses Jahrhunderts aus Bagdad übergesiedelt waren. Diese vermittelten den Opiumhandel zwischen China und Indien und in neuerer Zeit auch die Einfuhr indischer Baumwollengarne. Ihre Handlungshäuser, früher in allen Häfen vertreten, sind jetzt in Schanghai und Hongkong concentrirt, während die Chefs der grössten Häuser in Bombay und in London wohnen. Die von ihnen betriebenen Geschäfte sind ausserordentlich umfangreich und werden mit weitem Blick und einsichtig geleitet. In Hongkong (Staunton-Strasse) und in Schanghai (Futschon- Strasse) haben sie je eine Synagoge mit einem Rabbiner aus Bagdad. Der Ritus ist spanisch, die Gebetbücher sind meist in Bombay, z. Th. mit arabischer. Uebersetzung, gedruckt; doch sind auch europäische Ausgaben mit englischer Ueber- Setzung vorhanden. Beide Plätze haben gut erhaltene Friedhöfe. Es giebt 21 Firmen mit etwa 180 Individuen, welche englische Unterthanen sind und arabisch und englisch sprechen. In neuester Zeit sind auch Juden anderer Nationalitäten nach China gekommen, deren Zahl sich auf etwa 70 beläuft. Nachstehenden Abriss der Geschichte der arabischen Juden in China hat mir ein Freund arabisch in der unter seinen Landsleuten üblichen Schrift aufgezeichnet. Die Umschreibung 1) S. Arnold’8 Ar. Ckrest. S. 118, Z. 12.