Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Juden in China
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 2)
- Language
- German
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328 / / Die Juden in China. bunden, und die Liturgie auf Purim“) in den Besitz der Society for the Propagation of Christianity among the Jews in Lincoln’s Inn Field’s, London, gekommen sind, so viel ich ־weiss, noch nicht von Sachverständigen untersucht worden. Das in Hongkong. befindliche Manuscript ist eine defecte Thorarolle auf weissein Schaffell. Es enthält die Thora von Gen. 29, 30 bis Ende, auf 194 Coluinmen zu 49 Zeilen, neueren Datums mit Kalam geschrieben, unter ziemlich genaer Befolgung der Vorschriften für Thoraschreiber. Yon dieser Handschrift wurden 78 Seiten zu 9 Zeilen in Facsimile lithographirt: Facsimiles of the Hebrew Manuscripts obtained at the Jewish Synagogue in Kae-fung-foo. Shanghae, 1851, enthaltend Ex 1,1 bis 6,1 und 38,21—40,38. Das Facsimilie ist aber von unkundiger Hand angefertigt und für Wissenschaft־ liehe Zwecke ganz unbrauchbar. In! Jahre 1865 kam N. A. P. Martin auf einer Reise von Peking nach Schanghai über Kcai־Fung־ Fu1). Er fand noch 7 Geschlechter (mit chinesischen Familiennamen) und etwa 200 Individuen vor, welche ganz zu Chinesen geworden waren und nur zum Theil den semitischen Gesichtstypus bewahrt hatten. Sie besassen keine Kenntniss der hebräischen Sprache und Schrift. Viele waren mit Chinesinnen verbeirathet. Ihr letzter Rabbiner war etwa 1820 in der Provinz Kansu ge־ storben. In der gänzlich verfallenen Synagoge zeigte man ihm eine Inschrift, nach welcher die Synagoge in der Regierungs־ zeit Lung-hsing (1163—1165) erbaut und in den Jahren Hungtschy (1488—1506) ausgebessert worden war. Herr Dr. Martin sah eine Pergamentrolle der Thora ohne Vocale in einer Schriftform geschrieben, die er nicht lesen konnte (?). Auf seine Frage sagte man ihm, die ersten Juden seien z. Z. der Han-Dynastie (202 vor bis 220 nach) in China eingewandert. Die letzte Angabe scheint also eine alte Tradition zu sein, für welche aber kein Beweis existirt. Dagegen stimmt das Datum der Inschrift, den Bau betreffend, mit der Angabe, dass unter dem Kaiser Hsian-tsung 70 Familien eingewandert seien. Demnach sind also sicher Juden in der zweiten Hälfte des 12, Jahrhunderts nach China gekommen. Ob alle auf einmal, ob sie schon Glaubensgenossen in China vorfanden, aus welchem Lande sie kamen, ob sie wenigstens eine Zeit lang im Verkehr mit dem Lande ihres Ursprunges blieben, das Alles ג) S. Journal of N. Ch. Branch of R. As. Soc״ vol. III (1866) p 80—38.