Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Privilegien der jüdischen Gemeinde in Kremsier
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 318 (sequence 10)
- Language
- German
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318 Die Privilegien der jüdischen Gemeinde in Kremsier. ״Wir Franz etc. bekennen öffentlich mit diesem Unserem Briefe und thnn kund aliermänniglich, dass vor uns in Dehmuth erschienen sind die mühsamen unsere Unterthanen Yogt und Geschworenen anstatt einer ganzen jüdischen Gemeinde a-llhier zu Krembsier wohnend und Uns etliche Artickel schriftlich verfasset fürgetragen und übergeben in Uaterthänigkeit embsig bittend, wollen Ihnen aus fürstlicher MiLde und Güte nicht allein dieselben gnädigst ertheilen, sondern auch ihre alten Privilegien, Gewohnheiten und Gebräuche vornehmlich aber die Besitzungen ihrer Schul und Häuser, welche sie von alters besessen und bewohnt haben, aufs neue zu befestigen, damit sie sich bei diesen schweren und mühseligen Zeiten, desto füglicher ernähren, leben und ihren Handel und Wandel ruhig führen möchten. Welchen dehmüthigsten Anhalten flehen und bitten Wir erhört und solche Artickel folgender Massen ihnen zugelassen, bekräftigt und bestätigt. Erstlich: Wie von unseren Yorfahren wird ihnen bestätigt ihre Schule somit ihrer Exercitien und dem dazu gehörigen Rabbinerhause desgleichen21 Häuser, welche jetztundbewohnen: Lazarus Mahler, Daniel Jud, Marcus Jellen, Abraham Zapperle, Moyses, Benedict Hluchi, Jakob Criert, Jakob Hrubi, Sames Mutny, Beneseh Drzevohostitzki, Josef Jud, Thobias Jud, Moses Feitel, Yeitel Harfen- Schläger, Kollmann Jud, Kopl Glaser, Abraham Bumba, der alte Oantor, der junge Bumba, Maraco Knöpfei״ Stricker und der Juden Spital zu besitzen sein vergönnt und zugelassen werden, also wollen Wir sie auch genediglich bei derselben Besitz ruhig belassen“ etc. etc. Die übrigen acht Punkte, welche mit denen des folgenden Privilegs gleichlautend sind, übergehen wir, weil sie uns bloss in einer Copie vorliegen, obwohl deren Ueberein- Stimmung mit dem Original vom P re rauer Bürgermeister am 15. Januar 1639 bestätigt wird. Das Original selbst, welches wie die übrigen in den Händen der Juden war, verbrannte mit dem Gemeindehause, wo es aufbewahrt war, beim Einfalle der Schweden (1643). Da die Gemeinde damals so herabgekommen war und nichts besass, was des Schutzes bedurfte, blieb sie 15 Jahre ohne Erneuerung des Privilegiums. Erst als sie sich nach und nach von diesem schweren Schlage erholt hatte, so dass sie für die Nachbargemeinde Holleschau, welche zum Aufbau der eingeäscherten Synagoge beim hiesigen St. Mauritz-Collegiat-Stifte ein Darlehen aufnahm (1654), die erste Quote von 100 fl. bezahlte und ihren ehemaligen Besitz-