Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Privilegien der jüdischen Gemeinde in Kremsier
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 4)
- Language
- German
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312 Die Privilegien der jüdischen Gemeinde in Kremsier. liede, welches auf ihre Zerstörung durch die Schweden verfasst wurde, eine durch kaiserliche Gesetze und Yorrechte ausgezeichnete Stadt genannt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die hier oft zu Besuch ־weilenden Regenten, Karl IY. (1340), Matthias (1469), Franz I. (1805. 1817) sowie die Kaiserin Maria Theresia (1748) durch Vermittelung des jeweiligen Bischofs gleichzeitig mit den Rechten der Stadt, auch die der Gemeinde confirmirten. Denn hier auf dem Landsitze hatten ihre mannhaften, unerschrockenen Fürsprecher freien Zutritt zum höchsten Kirchenfiirsten Mährens, der mit ihnen so leutselig verkehrte, dass sie sogar die Anliegen der bedrängten Glaubensbrüder im Auslande ihm Vorbringen und als Gunstbezeugung seine Verwendung für diese bei ihrem Schutzherrn sich erbitten konnten. Dadurch erklärt es sich z. B., dass ein hiesiger Rabbiner, namens Iczmann (1535), vom König Ferdinand von Böhmen für die unschuldig verfolgten Juden Jägernd orfs, die Herzog Karl von Münsterberg auf Grund einer falschen, später widerrufenen Aussage eines zum Scheiterhaufen Yerurtlieilten aus weisen wollte, einen Schutzbrief erwirkte. Der Bischof Graf von Thurzo nämlich, derselbe, der Ludwig zum König von Böhmen krönte (1523) und diesen (1525) wie auch König Wladislaw II. (1510) und den König Sigismund von Polen (1515) auf seinem Schlosse bewirthete, interessirte sich für die auswärtigen Angelegenkeiten, die ihm seine hiesigen Schutzbefohlenen theilnahmsvoll wie ihre eigene Sache unterbreiteten und verschaffte den Gemeindevertretern Audienz beim König Ferdinandנ). Auf die Fürsprache der hiesigen 0 L. Neustadt hat im Münchner Reichsarchiv drei dieses Thema behandelnde Briefe ״Die Vorfälle der Juden in Schlesien“ gefunden, aus denen hervorgeht, dass R. Iczman und ein Gemeindemitglied Salomon den ihnen am Freitag des neuen Monats August um Mittag überreichten Brief des Königs Ferdinand, laut welchem Jedermann, Adel und Städter, den Juden, die zu Jägerndorf sitzen, zu ihrer Gerechtigkeit helfen möge, nebst ihrem eigenen Briefe an Elias und Baigel in Oels senden, der die ausserordentlich wichtige Neuigkeit enthält, dass der Verurtheilte, den man so gefragt, dass er falsch hat antworten müssen, seine frühere, die Juden Oberschlesiens als Mitschuldige belastende Anssage kurz vor seiner Hinrichtung zurückgezogen hat. Die Genannten mögen daher trachten, auf Grund dieses Widerrufes vom Herzog Karl von Münsterberg eine schriftliche Erklärung der Unschuld der Juden zu erlangen. Doch gewähren diese ursprünglich mit hebr. Lettern jüdisch-deutsch geschriebenen Briefe, welche die peinliche Situation der Juden und ihre vergebliche Anstrengung, diese durch Abgesandte an den Hof des Markgrafen Georg zu verbessern, weitläufig schildern, keine