Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der älteste jüdische Friedhof Ungarns
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 4)
- Language
- German
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308 Der älteste jüdische Friedhof Ungarns. Seite zum Theil weggebrochen sind. Vollkommen sicher jedoch ist die Lesung der drei letzten Zeilen, deren oberflächlich in den Stein geritzte Schrift zu den tiefgehackten Charakteren der zwei ersten Grabsteine sich wie ein Graffito verhält: . חמשת אלפים וארבעים לפרט אאא ספם Das dreimalige Amen Sela in dieser Abkürzung und An- Ordnung erinnert an deutsche Grabsteine in Mainz und Worms aus gleicher Zeit. Trotz seiner Zerstörung enthält dieses wortkarge Fragment den beredten Beweis dafür, dass hier der Spaten auf den ältesten jüdischen Friedhof von Ofen gestossen ist. Wie anders wäre es sonst zu erklären, dass unter drei so dürftigen Trümmern zwei aus den aufeinanderfolgenden Jahren 1278 und 1279 oder 1280 stammen? Der Name Peter braucht kein Erstaunen zu erregen. Wiener hat bereits in der Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft 19, 510 f. auf den frühen Gebrauch dieses Namens besonders unter den deutschen Juden aufmerksam gemacht; die ältesten Träger dieses Namens in Deutschland und Frankreich hat Zunz, Ges. Schriften II, 34 nachgewiesen. Hier sehen wir den Namen am Ausgang des 13. Jahrhunderts unbedenklich auch bei ungarischen Juden in Anwendung kommen. Hinter dem Burgfelsen, von dem man die Leichen durch das einstige sogenannte Stuhlweissenburger Thor zu Grabe getragen haben wird, sehen wir also, geschützt vor den Fluthen der damals noch uneingedämmt fast alljährlich über ihre Ufer tretenden Donau, den ältesten Gottesacker der erst durch König Bela IT. in die Nähe des Königspalastes auf der Burg von Ofen angesiedelten Juden sich ausbreiten. Die Stelle ist durch diese ungeahnten Funde über jeden Zweifel mit Sicherheit festgestellt. Aber wie nach Weiterem verlangend, schweift das Auge längs der Fundstätte hin, die vielleicht noch weitere Aufklärungen zur Geschichte der Juden Ofens und Ungarns in ihrer Tiefe birgt. Auf diesem geschichtlichen heissumstrittenen Fleck Erde, auf dem kein Stein bei dem andern geblieben ist, war auch für jüdische Denkmäler kein Schutz und keine Dauer. Um so treuer mag aber unter der Ercle sich erhalten haben, was über ihr keinen Bestand haben konnte. Alle jüdischen Friedhöfe