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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 6 · p. Seite 280

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 6
Article
Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
Date
1895-01-01
Page
Seite 280 (sequence 10)
Language
German
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280 Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt. cum“ als einer der Begründer ihrer Wissenschaft wohlbekannt. Als er im Jahre 1698 Holland besuchte, war er frei־ lieh erst 25 Jahre alt und suchte zu seiner ferneren Ausbildung mit den Celebritäten des Landes in Yerkehr zu treten. Zu diesen hat er wohl auch Moses Germanus gerechnet, welcher ihm ausserdem durch seine Conversion interessant sein mochte. Die Berichte freilich, welche wir von Beiden über die Anknüpfung ihrer Bekanntschaft besitzen, widersprechen einander diametral. Wächter erzählt, Moses habe ihm seine Schrift: ״Gegensatz der jüdischen und heidnischen Religion“ mit der Bitte zugesendet, ihm seine Meinung darüber zu sagen, und als er erst nicht darauf eingehen wollte, mehrmals sein Gesuch wiederholt1). Moses dagegen versichert, Wächter habe sich an ihn herangedrängt, um mit ihm über den Glauben zu disputiren 2). Wenn wir bedenken, dass Wächter damals noch ein junger, unbekannter Mann war, so werden wir nicht lange zweifelhaft sein, auf wessen Seite die Wahrheit ist. Wächter wollte sich an dem Juden die ersten litterarischen Sporen verdienen, oder — wie es Moses etwas grob ausdrückt — er suchte an ihm bequeme Gelegenheit, seinen Quark zu Markte zu bringen 3). Er schrieb nämlich ein Blich zusammen, welches er ״Spinozismus im Judenthum“ nannte, und worin er, ausgehend von Moses’ Darlegungen, die er in extenso mittheilt, den Beweis zu erbringen sucht, dass Jener Spinozist sei, und dass überhaupt modernes Judenthum auf spinozistisehern Pantheismus beruhe. Moses beklagt sich über Wächter. Er behauptet, dieser habe Yieles, was er ihm geschrieben, unterdrückt und ihn fälschlich des Spinozismus heschuldigt. Habe er doch gerade in seinem Buche ״Salus ex Judaeis“ den Spinoza zu widerlegen gesucht4). Aber Wächter wird in diesem Punkte wohl nicht so Unrecht haben. Die von ihm mitgetheilten Beweisstücke lassen, selbst wenn sie tendenziös zugestutzt sein sollten, doch über die pantheistische ג) Wächter, Spinozismus im Judenthum, Einleitung. 2) Schudt, a. a. 0., IV. 1., S. 195. 3) a. a. 0., S. 201. 4) Schudt, a. a. 0., IV. 1., S. 201. ,,Salus ex Judaeis‘‘ ist eigentlieh keine selbständige Schrift, sondern ein Theil des Werkes: ,,Diatriba de ortu et progressu Pacultatis et formali constitutione artis medicinae apud Judaeos“, welches in die beiden Theile: ״Salus ex Judaeis“ und ״Sapientia in Israele“ zerfällt und von Moses unter dem Namen ״Antiquae veritatis stuäiosus“ veröffentlicht wurde. Hiernach sind die Bibliographen zu berichtigen.

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