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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 6 · p. Seite 281

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 6
Article
Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
Date
1895-01-01
Page
Seite 281 (sequence 11)
Language
German
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Johann Peter Spaetk (Moses Germanus), der Proselyt. 281 Grundanschauung des Verfassers keinen Zweifel. Auch Leibniz bezeichnet in dem ,,Discours de la conformite de la foi avec la raison“, welcher der Theodicee vorangeht, Moses Germanus als einen Spinozisten. Es ist ja auch bei einem Manne, der stets der Mystik ergeben ־war, nicht anders zu erwarten. Eine jede Mystik beruht auf pantheistischen Voraussetzungen, mag man sie aus Jacob Böhme oder aus dem Sohar schöpfen. Moses Germanus sollte das Glück, welches ihm der neue Glaube gewährte, nicht lange gemessen. Er erkrankte plötzlieh am 26. April 1701, und trotz der aufopferndsten Pflege der treuen Gattin trat der Tod bereits den folgenden Tag ein1). Dieses so unerwartet erfolgte Ableben gab Anlass zu übler Nachrede. Sollte ein so böser Mensch, der im Stande gewesen war, das Christenthum abzuschwören', wirklich, eines natürliehen Todes gestorben sein? Difenbach vermuthet, er habe sich wohl entleibt2). Es wurde auch verbreitet und geglaubt, die Juden hätten ihn durch Gift bei Seite geschafft, weil er nicht alle ,,talmudischen Alfanzereien“ mitmachen wollte, oder weil sie seinen Rücktritt befürchteten. Wächter band dieses Märchen dem leichtgläubigen La Croze auf3), der es wieder seinem Freunde Wolf mittheilte4). Aber Surenhuys, welcher Moses genau gekannt hatte und über sein Lebensende an den bekannten Hebraisten Ungei berichtet5), würdigt dieses Gerücht keiner Erwähnung. Petersen fühlte sich sogar gedrangen, die Juden gegen die verleumderische Beschuldigung in Schutz zu nehmen6). — Dass übrigens unser Moses trotz seines Abfalls vom Christenthum nicht zur Hölle gefahren sei, sondern vielmehr unter den Seligen im Paradiese weile, glaubte der gutmüthige Narr Holger Pauli aus der heiligen Schrift erweisen zu können7). ג) Schudt, a. a. 0., III, S. 274. 2) Judaeus conyersus, S. 129. 3) La Croze, Yindiciae vefc. script., p. 62; Schudt, a. a. 0., I, 273; IY. 1, S. 192. 4־) Wolf, Bibi, hebr., I, 811. Ygl. auch J. A. Bernhard, Kurzgefaste curieuse Historia derer Gelehrten, Prankf. a. M. 1718, S. 542. 5) Wolf, a. a. 0., III, 740—741. 6) Zedler’s Universallexikon, Bd. XXXYIII, S. 1398. 7) Schudt, a. a. 0., IY. 1., S. 202; IY. 2., S. 310.

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