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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 6 · p. Seite 279

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 6
Article
Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
Date
1895-01-01
Page
Seite 279 (sequence 9)
Language
German
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Johann Peter Spaeth (Moses Gerraanus), der Proselyt. 279 theidigen, konnte nicht verfehlen, Aufsehen in der Welt zu erregen. Ein vornehmer Herr, der davon hörte, rief aus: ״Ist dieser Mann von Sinnen? Kennt er den Unterschied von wahr und falsch, Himmel und Hölle1)?“ Man versuchte anfänglich auch, ihn von seinem Irrtlmme zu heilen. Der berühmte Surenhusius, derselbe, welcher sich später durch seine Mischnaübersetzung ein bewundernswerthes Denkmal des Fleisses und der Gelehrsamkeit gesetzt hat, näherte sich ihm in dieser Absicht, fand ihn aber so ,,verstockt“, dass er sich bald zurückzog2). — Ein anderer Bekehrungsversuch, der von dem sonderbaren Schwärmer Öliger Pauli ausging, wird ihn mehr belustigt als belästigt haben. Pauli, früher der reichste Mann in Dänemark, war, nachdem er sein YermÖg en verloren hatte, nach Holland gegangen, um dort seine excentrischen Pläne auszuführen. Er wollte Judenthum und Christenthum verschmelzen. Die Juden sollten ihren Tempel in Jerusalem wieder aufbauen, den, wie er versicherte, Jesus selber einweihen würde. Wenn nach sieben Jahren der Messias nicht erschiene, um das tausendjährige Reich zu inauguriren, so versicherte er anno 1700, dann könne man mit ihm machen, was man wolle. Alle Könige des Erdballs müssten alsdann zum Laubhüttenfeste nach Jerusalem wallfahrten, um ihre Reiche vom Messias-Könige als Lehen zu empfangen. Zu diesen phantastischen Grillen suchte er auch unseren Moses zu bekehren, aber ״der böse Mensch war zu hartnäckig“. Da schlug ihm der Narr ein Gottesgericht vor. Beide sollten sich auf ein Pulverfass setzen, und wer bei der Explosion unverletzt bliebe, habe dadurch bewiesen, dass er im Besitz des wahren Glaubens sei3). Damals war Holland und besonders Amsterdam der Sammelplatz vieler hervorragender Männer aus dem Auslande; namentlich versäumten es auch die vornehmen jungen Herren nach Absolvirung ihrer Studien nicht, auf ihrer peregrinatio academica dieses wegen seiner Gelehrsamkeit hochgepriesene Land zu besuchen. Zu den Letzteren gehörte Johann Georg Wächter, ein Mann, welcher sich später auf den verschiedensten Gebieten des Wissens rühmlichst hervorgethan hat; den Germanisten ist er durch sein ״Glossarium Germani- נ) Difenbach, a. a. 0., S. 153. 2) Wolf, Bibi, hehr., III, 740. 3) Heber Öliger Pauli vgl,: Adelung, Geschichte der menschlichen Narrheit, Bd. IY, Leipzig 1787, S. 874—387; Schudt, a. a. 0., I, 552—559; IY. 1., S. 196. 317—318; Difenbach, a. a. 0., S. 145.

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