Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 7)
- Language
- German
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Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proseljt. 277 tisnius und seinen Rücktritt zur katholischen Kirche in besonderen Schriften vertheidigt hatte, so veröffentlichte er jetzt mehrere Schriften, von denen die wichtigste das hier oft citirte ,,Sendschreiben eines gewesenen Pietisten“ ist, welches ursprünglich an Frau Petersen gerichtet, später (1699) von dem Danziger Pastor Bücher publicirt wurde. Die Geschichte seiner Sinneswandlung wird darin mit grosser Offenheit von ihm dargelegt. Difenbach versichert, man habe die Veröffentlichung Bücher allgemein verdacht, weil manche Leser dadurch am Christenthum irre geworden seien1). Der Herausgeber hatte übrigens für nöthig gehalten, dem Texte Anmerkungen zur Widerlegung folgen zu lassen. Von welcher Sorte diese Anmerkungen sind, können wir schon aus den Eingangsworten entnehmen: ,,Der Herr schelte Dich, Du Satanas, ja, er schelte Dich!“ mit welchen der Herr Pfarrer den Apostaten apostrophirt. Eine besondere Rechtfertigung glaubte Spaeth oder — wie wir ihn wohl jetzt nennen müssen — Moses Germanus seinem alten Freunde Spener schuldig zu sein. Welchen Schmerz muss dieser nicht empfunden haben! Er, dessen sehnlichster Wunsch es war, die Juden endlich bekehrt zu sehen, musste es erleben, dass einer aus seinem vertrauten Kreise, den er sonst liebte und achtete, zum Judenthum abfiel! Seine Antwort ist auch in gereiztem Tone gehalten. Das Packet, welches wohl die neuverfassten Schriften enthielt, schickte er uneröffnet zurück und verbat sich für die Zukunft weiteren brieflichen Verkehr. Er werde, wie er schreibt, nicht auf hören, für seine Bekehrung zu beten; wenn er aber verstockt bliebe, so möge es ihm wenigstens nicht gelingen, noch andere Christen in sein Hetz zu verstricken. Er könne sich übrigens nicht denken, dass Spaeth im Juden״ thum die Ruhe finden werde, welche er früher vergebens gesucht habe2). In letzterem Punkte irrte Spener sich gründlich. Moses versichert, er habe zwar immer ein ruhiges Gewissen gehabt, am aller ruhigsten sei er aber jetzt als Jude3), und an einen vertrauten Freund, der uns leider nur mit den Initialen G. S. bezeichnet wird, schrieb er, indem er seiner Freude Ausdruck gab, endlich der ,,gedrückten, aber einzig wahren Kirche“ an- 1) Difenbach, a. a. 0״ p. 139. 2) Spener, Theologische Bedenken, III, 96h 3) Schudt, a. a. 0., IV. 1., S. 195.