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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 6 · p. Seite 276

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 6
Article
Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
Date
1895-01-01
Page
Seite 276 (sequence 6)
Language
German
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276 Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt. Studenten sowohl,,als auch Männer aus dem Yolke, Schuhmacher, Schreiner und Buchdrucker, wurden Juden. Freilich mussten die, welche offen den Gott Israels bekennen wollten, sich zur Auswanderung entschliessen. Der unglückliche Nicolas Antoine wagte es, in der Schweiz heimlich als Jude zu leben, musste aber auf dem Scheiterhaufen dafür büssen1). Anfänglich, im 16. Jahrhundert und auch noch in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, waren Polen und die Türkei diejenigen Länder, wo es judaisirenden Christen noch am ehesten gelang, ihren Uebertritt zu bewerkstelligen; später wurde Holland, namentlich die Stadt Amsterdam, das gastliche Asyl für alle Yerfolgten und Unterdrückten: hier knechtete kein grausames Gesetz die Gewissen. Eleutheropolis, die Stadt der Freiheit, wie man Amsterdam damals nannte, war das heissersehnte Ziel für die spanischen Marranen, die so glücklich waren, dem Höllenrachen der Inquisition zu entfliehen. Jost berichtet, ihr erster Rabbiner Moses Uri und dessen Sohn Ahron hätten nicht weniger als 2500 dieser Anussim wieder in den Bund Abraham’s aufgenommen 2). Hierher wandte sich auch Spaeth. Er hatte in Cleve, also an der Grenze der Niederlande, wo er sich zuletzt aufgehalten, die beste Gelegenheit gehabt, die dortigen Yerhältnisse kennen zu lernen. Aber so leicht, wie er sich’s wohl gedacht hatte, war der Uebertritt auch dort nicht auszuführen. Die Juden sind seit Alters sehr rigoros bei der Aufnahme von Proselyten; vielleicht drängten sich auch damals zu Yiele an sie heran, so dass sie ernstliche Ungelegenheiten von Seiten der Obrigkeit fürchteten3). Endlich verstand sich doch ein Glaser (oder ■— nach Difenbach — ein Schreiner) dazu, die Beschneidung zu vollziehen. Spaeth äusserte nachmals, jetzt wisse er, was es heisse: mit Feuer taufen; die Operation habe ihn wie Feuer gebrannt4). Aber er fühlte sich befriedigt. Den Namen Spaeth legte er ab und liess sich fortan Moses Germ an us nennen. Zunächst hatte er das Bedürfniss, sich vor der Welt zu rechtfertigen. Wie er früher seinen Uebertritt zum Protestan- 0 Ygl. N. Samter, Ein christlicher Prediger als Märtyrer des Judenthums (Allg. Zeit. d. Judenthums, 1894, S. 42 ff.). 2) Jost, Geschichte des Judenthums und seiner Secten, Band III, Leipzig 1859, S. 197. 8) Schndt, a. a. 0., IY. 1. S. 199. 4) Schudt, a. a. 0., S. 202; Difenbach, Judaeuß conversus, p. 154.

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