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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 6 · p. Seite 275

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 6
Article
Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
Date
1895-01-01
Page
Seite 275 (sequence 5)
Language
German
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Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt. 275 gefallen, welches Jesus ganz mit Wunden und Beulen bedeckt darstellte. Ein Jude hob es auf und sagte: ,,Das ist Israel, der Mann der Schmerzen1)!‘1 Durch diese Worte ging ihm das Verständniss des 53. Oapitels im Jesajas auf; die Juden, meinte er, trügen der Heiden Sünde, indem sie täglich von ihnen verfolgt würden2). Von jeher hat man sie schimpflich behandelt. Wie die ganze Passionsgeschichte erdichtet ist, um das arme Israel verhasst zu machen, so geschieht noch heutzutage viel dergleichen, z. B. dass die Juden ein Kind ermordet 11. dgl., — ״welchen Mord-Teufflischen Betrug ich beyzeit erkandt und das so gewandte Christenthumb verlassen habe, um kein Theil zu haben noch befunden zu werden bei denen, die das Blut Israels, des Erst- und Eingebohrenen Sohnes Gottes, mit Füssen treten und wie Wasser vergiessen. Israel muss jetzo schweigen und seinen Mund nicht aufthun, ja, es muss verstummen als das Schaff vor dem, der es scheinet, dieweilen noch die, so von der Wölffin Milch getrunken, auf allen Tribunalien sitzen3). Aber die Erlösungsstunde wird bald schlagen4). Spaeth war also entschlossen, Jude zu werden; denen, welche ihm abriethen, rief er das stolze Wort zu: ,,Von deserui vos, sed praecessi 5) 1“ Dieser Schritt war damals auch nicht so unerhört, wie es den Anschein haben könnte. Trotz der Todesstrafe, die in den allermeisten Staaten auf Apostasie gesetzt war, kamen gerade im 17. Jahrhundert recht viele Uebertritte zum Judenthum vor. Seitdem durch die Reformation die Bibel Gemeingut des Volkes geworden war, glaubten viele denkende Christen den! Alten Testamente vor dem Heuen den Vorzug geben zu müssen. Martin Luther, der sich dies nicht erklären konnte, warf den Juden — gewiss fälschlich — Proselytenmacherei vor. Er ärgerte sich, dass das ״jüdische Geschmeissu in Mähren und Oesterreich manchen Christenmenschen verführte, Sabbath und Beschneidung zu beobachten6). Im 17. Jahrhundert wurden die Conversionen noch häufiger. Wir sehen Leute aus allen Ständen das jüdische Gesetz annehmen. Edelleute, Geistliche, Aerzte und 1) Schudt a. a. 0. IV. 1. S. 195. 2) a, a. 0, S. 201. 3) Wächter a. a. 0. S. 11. 29. P Schudt a. a. 0. IV. 1. S. 195. 5) Wächter a. a, 0. S. 28. 6) Wider die Sabbather. Luther’s Werke, Erlanger Ausg., Bd. XXXI, S. 417.

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