Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 3)
- Language
- German
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Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt. 273 um daraus die Geheimnisse Gottes und der Natur zu vernehmen, sondern welche eine Einwirkung auf die Natur mit Hilfe der Geisterwelt anstrebten. Sein Studium erstreckte sich auch auf die Kabbala der Juden, welche seit Pico von Mi randola’s und Reuchlin’s Zeit bei christlichen Gelehrten sehr in Ansehen stand. Der bedeutendste unter den christlichen Kabbalisten war damals der Geheimrath und erste Minister Christian August’s von Pfalz-Sulzbach Knorr Freiherr von Rosenroth. Als dieser sein Riesenwerk, die Cabbala denudata, schrieb, wurde Helmont als Mitarbeiter zugezogen. Durch Helmont lernte jedenfalls auch Spaeth etwas von der Kabbala kennen, der er schon wegen seiner frühzeitigen Beschäftigung mit den Mystikern Interesse entgegenbringen musste. Dennoch aber klingt wenig glaubhaft, was La Croze behauptet, dass auch Spaeth bei der ,,Cabbala denudata“ geholfen habe1). Dieses Werk wurde 1677 publicirt, Spaeth lernte Helmont aber erst im Herbst 1681 kennen2}, und wenn auch nicht ausdrücklich bezeugt, so ist es doch höchst wahrscheinlich, dass er erst durch ihn die Kabbala kennen gelernt hat. Seine Kenntnisse darin blieben, überdies, wie er selbst gesteht3), sehr gering. Als Spaeth sich in Lübeck bei Hattenbach aufhielt, hätte er sich auch in die praktische, theurgische Kabbala einweihen lassen können. In jener Stadt trieb damals ein jüdischer Apostat, Maxan, sein Wesen, welcher seine kabbalistische Weisheit für Geld ausbot. Er konnte Engel beschwören und bezauberte Schwerter zur Yertreibung böser Geister herstellen4). Spaeth glaubte deutlich zu erkennen, dass die Mystik, mit der er sich von je beschäftigt, eigentlich jüdischen Ursprungs sei. Abraham Hinckelmann, ein Hamburger Prediger und bedeutender Orientalist, hatte in dem Buche ,,Detectio fundamenti Boehmiani“ den heidnischen Ursprung der christlichen Mystik nachgewiesen5). Für Spaeth stand es aber fest, dass ״die gantze Heydnische Gelahrtheit nichts ist als ein Tropfen aus dem Ocean Israels“, ein Glaube übrigens, welcher schon im Alterthum aufkam und nicht bloss bei Juden, sondern auch bei Heiden, Christen und Muhammedanern ג) Vindiciae vet. script., p. 61. 2) Spener, Consilia et judicia, III, 427. 3) Wächter, der Spinozismus im Judenthnm, Amsterdam 1699, S.76. 4) Schndt a. a. 0., IY. 1., S. 202. 5) Wächter, a. a. 0., S. 27. Monatsschrift. 39. Jahrgang. 18