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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 6 · p. Seite 272

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 6
Article
Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
Date
1895-01-01
Page
Seite 272 (sequence 2)
Language
German
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272 Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt. der jüdischen Tradition geschöpft sei1). Jüdisch ist ihm überhaupt in den drei ersten Jahrhunderten noch Alles. Erst Kaiser Constantin hat durch sein Machtgebot das Christenthum gegründet2). Auch Kuhlmann hielt sich für den Messias der Juden und glaubte, alle Propheten hätten auf ihn geweissagt. Wenn damals sich ein Constantin für ihn erklärt hätte, wäre das Kuhlmannthum gleichfalls herrschende Religion geworden3). Zur Zeit Constantins wurden auch erst die Schriften über Jesus, deren viele in Umlauf waren, ,,zu Hass des armen jüdischen Yolkes zusammen gerafft4)“. Zum Beweis beruft sich Spaeth auf die ״Tomi Lipomanni“, womit er nur Lippmann von Mühlhausen’s Mzzachon meinen kann, den Haespan 1644 herausgegeben hatte. Ich habe jedoch in diesem Buche eine derartige Bemerkung nicht gefunden, wohl aber in der gleichfalls polemisch-apologetischen Schrift Chissuk Emuna (S. 283 ed. Deutsch), welche Spaeth aus dem 1681 erschienenen Sammelwerke Wagenseils ״Tela ignea Satanae“ ohne Zweifel bekannt war. Aus dem Gesagten geht hervor, dass Spaeth kein Christ mehr war. Warum ist er aber Jude geworden? Hinneigung zum Judenthum hat er vielleicht schon während seiner Krankfurter Pietistenzeit gewonnen. Schudt wenigstens versichert, er sei in Frankfurt mit einem Manne befreundet gewesen, ,,der immer auf jüdischer Seythen gehangen“ und ihm auch abgeredet habe, sich am Abendmahl zu betheiligen 5). Grossen Einfluss übte jedenfalls auch Helmont. Seit der Bekanntschaft mit diesem Sonderling, meint Spener, sei Spaeth sehr lau im Christenthum geworden6). Helmont, aus einer alten niederländischen Adelsfamilie stammend und Sohn eines berühmten Arztes, war fast fortwährend auf der Wanderschaft. Gleich dem griechischen Sophisten Hippias rühmte er sich, dass Alles, was er habe, von seiner eigenen Hand verfertigt sei7). Er gehörte zu der Klasse von Mystikern, welche sich nicht damit begnügten, auf die Stimme in ihrem Innern zu lauschen, *) Schudt, a. a. 0., IY. 1., S. 200. Er behauptet auch, es seien ״theils aus heidnischen, theils aus jüdischen und rabbinischen Skarteken zusammengeflickte Stücke“ (Wächter, a. a. 0., S. £0). 2) Schudt, a. a. 0., IY I., S. 196; La Croze, a. a. 0., S. 62. 3) Sendschreiben, S. 6—7. 4) Schudt, a. a. 0.; Sendschreiben, S. 6. 5) a. a. 0., IV. 1., S. 198. 6) Consilia et judicia, III, 427. 7) Adelung, a. a. 0., IY, 294 ff.

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