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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 5 · p. Seite 229

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 5
Article
Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
Date
1895-01-01
Page
Seite 229 (sequence 9)
Language
German
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Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt. 229 zu der Zeit, wo Spaeth am meisten von Religionszweifeln gequält wurde.1 2 3 4 Zu den deutschen Gelehrten war freilich die neue Wissenschaft noch nicht gedrungen► So bewies noch in den achtziger Jahren des Jahrhunderts der berühmte Professor August Pfeiffer, ganz in der alten scholastischen Manier, dass alle Glaubensartikel der Augsburgischen Confession bereits — in der Genesis enthalten seien1)! Aber Spaeth kümmerte sich auch um die Arbeiten ausländischer Gelehrten. Er beruft sich auf den holländischen Professor Leus den als denjenigen, der ihm nachgewiesen habe, dass im N. T. ״nichts gut genug, authentice oder richtig41 sei2). — Vielleicht angeregt durch seinen Ereund Petersen, welcher mit seiner Gattin aus der Offenbarung Johannis die Geheimnisse des tausendjährigen Reiches zu ergründen suchte, widmete Spaeth zunächst diesem merkwürdigen Buche ein eindringendes Studium. Aber *weit entfernt, mit den Mystikern darin eine Offenbarung der fernen Zukunft zu erblicken, erkannte er vielmehr mit nüchternem Sinne, was auch von der heutigen Kritik ganz allgemein angenommen wird, dass der Apokalyptiker kurz vor der Zer- Störung Jerusalems das nahe bevorstehende Weltgericht prophezeie י). Ja, er behauptet sogar, das Buch sei Ursprunglieh von ,,einen! jüdischen Rabbi sanfter Speculationen“ verfasst4). Merwürdigerweise begegnet er sich hier mit der neuen Hypothese Eberhard Vis eher’s, welche Adolf Harnack begeistert als ״das Ei des Columbus“ begrüsst hat5). Der Herr Professor wusste jedenfalls nicht, dass dieses Ei bereits 200 Jahre alt ist! In der Kritik der historischen Bücher des N. T. war Spaeth kühner als irgend einer der Zeitgenossen. Selbst die Bergpredigt, welche die Quintessenz der Moral Jesu darstellt und allgemein als die Perle des neutestamentlichen Schriftthums gilt, hat seinen Beifall ganz und gar nicht. Christus, meint er, fordere darin unmögliche Dinge, und die Lectüre könne einen ganz confus machen6). — Die Möglichkeit von Wundern will er nicht leugnen — thun doch die Juden deren heute noch mit Hilfe der Kabbala — aber die wunderbare Geburt 1) A Pfeiffer, Pansophia Mosaica e Genesi delineata, Lipsiae 1685 2) Sendschreiben, S. 5. 3) Schudt, a. a. 0., IY. 1/J3. 195. 4) Sendschreiben, S. 5. 5) Texte und Untersuchungen z. Geschichte d. altchristl. Litteratnr herausg. von v. Gehhardt u. Harnack, Bd. II, Leipzig 1886, S. 126. 6) Schudt, a. a. 0., IY. 1. S. 194.

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