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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 5 · p. Seite 228

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 5
Article
Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
Date
1895-01-01
Page
Seite 228 (sequence 8)
Language
German
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228 Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt. können1)“. Aber auch ernste Männer, wie der Professor v. d. Hardt in Plelrastädt2), der Adjunkt Treiber in Jena3), der Geheim secretär Stosch in Berlin4) sprachen sich, wenn auch in anständigerem Tone, doch in ganz ähnlichem Sinne aus, so dass es uns weniger überraschen wird, wenn eine Monatsschrift aus dem Jahre 1689 den Atheismus ״die Religion der Gebildeten“ nennt5). Unser Sp aeth liess sich von dieser antireligiösen Strömung nicht allzuweit fortreissen. Zwar Reimmann möchte auch ihn zu einem Atheisten stempeln, aber er befindet sich bei diesem Autor in guter Gesellschaft, denn auch Maimonides, Ibn Esra, Levi ben Gerson, kurzum Alle, welche etwas freier dachten, figuriren dort als Atheisten6). Mehr Glauben verdient Hermann v. d. Hardt, welcher dem jungen Stolle, der ihn in Helmstädt besuchte, mit Berufung auf Spener als seinen Gewährsmann, erzählte, Spaeth sei nach langen inneren Kämpfen endlich zu der Ueberzeugung gekommen, ״omnia esse incerta nisi hoc: ununi esse deum 7)“. Der Glaube an den einigen Gott ist aber das Grunddogma des Judenthums; Spaeth wäre trotzdem schwerlich auf den Gedanken gekommen, Jude zu werden, wenn er nicht einerseits schon seit langer Zeit eine Yorliebe für alles Jüdische gehabt und andererseits sich durch Bibelstudien immer mehr von der Wahrheit der jüdischen Religion überzeugt hätte. Bei* allgemeine Aufschwung der Wissenschaften war auch dem Bibelstudium zu Gute gekommen. Man begann den Bibeltext mit philologischer Akribie zu behandeln und den Inhalt unbefangen, ohne vorgefasste Meinung zu erklären und zu beurtheilen. In letzterer Beziehung, in der höheren Kritik, wurde Spinoza bahnbrechend für das Alte Testament. Der geniale Katholik Richard Simon wagte sich, wiewohl schüchtern, mit der kritischen Sonde auch an das Neue heran; seine betreffende Schrift erschien in den Jahren 1689—95, also gerade ג) Adelung, a. a. 0., Bd. 71, S. 207—231; Frank, a. a. 0., Bd. II, S. 118; La Croze, Entretiens sur divers sujets d’histoire, Cologne 1711, p. 400 et suiv. 2) Prank, a. a. 0., Bd. II, S. 228. 3) Zeitschr. für wissensch, Theologie 711, 1864, S. 409 ff. 4) Prank, a. a. 0., Bd. II, S. 101; vgl. Adelung, a. a. 0., Bd. 71, S. 229. 5) Monatliche Unterrednngen einiger guten Freunde von allerhand Büchern und anderen annehmlichen Geschichten, Octoher 1689, S. 984. 6) Reimmann, Historia univ. atheismi, Hildesiae 1724, 8. 49. ■ 7) Schmidts Allg. Zeitschr. für Geschichte, 711, 1847, S. 402.

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