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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 5 · p. Seite 227

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 5
Article
Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
Date
1895-01-01
Page
Seite 227 (sequence 7)
Language
German
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Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt. 227 Haller, eines Newton und Leibniz, eines Descartes und Spinoza. So trat an die Seite der starren Orthodoxie ihre schlimmste Feindin, die Wissenschaft, und wirkte zwar langsam, aber sicher zerstörend auf sie ein. Ja, dieser Zerstörungsprocess vollzog sich so gründlich, dass schon vielfach der baare Unglaube herrschte. Hierin war Frankreich den übrigen Ländern voraus. In Paris allein schätzte der Franziskaner Marinus Mersennus, welcher seine weitschichtigen ,,Untersuchungen zur Genesis“ 1623 vollendete, die Zahl der Atheisten auf mindestens 50000; in manchem Hause, meinte er, gäbe es deren zwölf1 2). Unter ihnen waren Abschriften eines Buches in Umlauf, das bereits aus dem 16. Jahrhundert stammte und ausserordentlich zur Yerbreitung antichristlicher Gesinnung beitrug: Jean Bodin’s Heptaplomeres. Der Verfasser, den man deswegen als heimliehen Juden verschrie, griff darin die Dreieinigkeit und die Göttlichkeit Jesu an; er meinte zwar, alle Beligion sei Gott angenehm, aber bei der Vergleichung mit anderen Glaubensformen verlor die christliche am meisten, ja er erklärte die Geschichte ihres Stifters für ungewiss-). Dieses gefährliche Buch wurde durch französische Soldaten auch in Deutschland verbreitet3). Hier zeigte sich der Unglaube später als in den westlichen Ländern, aber im letzten Viertel des Jahrhunderts. also gerade zu der Zeit, wo Spaeth schon halb dem Christenthum entfremdet war, wird in immer steigendem Masse Liber das Ueberhandnehmen freigeistiger Ansichten geklagt. Der Hamburger Pastor Johannes Müller schreibt 1685: ״Heutiges Tages nimmt der Atheismus sehr überhand, nicht allein bey vielen Hoffleuten, Kriegsleuten, Weltleuten, sondern auch bey vielen Bürgern in grossen Stätten, ja bei Landleuten auff den Derffern4).u — Matthias Knutzen, ein Holsteiner, durchzog 1674 zu Fass, mit dem Knotenstock in der Faust, Dänemark, Polen und Deutschland, überall seine atheistischen Lehren durch Wort und Schrift verbreitend. In einem seiner Pamphlete nennt er die Bibel ,,ein artiges Märchen, woran sich nur unvernünftige Thiere, welche ihre Vernunft gefangen nehmen und mit dem Verstände rasen, belustigen 1) M. Mexsenni Quaestiones in Genesim, Lutetiae 1624, p. 671. 2) Das Buch wurde erst Schwerin 1857 gedruckt. Eine Analyse des Inhalts findet sich in BrülPs populär-wissenschaftl. Monatsblätt. I, 1881, S. 129 ff. 3) Biedermann a. a, 0. II. 1. S. 891. 4) J. Müller, Atheismus devictus, Prancof. ad. Moen. 1685, p. 27. 15*

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