Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 6)
- Language
- German
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226 Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt. meist einfache Landleute, welche in der Dogmatik sehr nach־ sichtig, in der Moral dagegen sehr ״streng waren, wurden noch unbarmherziger als die Socinianer verfolgt. Sie, die friedfertigsten der Sterblichen, fanden fast nirgends eine Heimat. Die reformirten Schweizer hatten 1635 ihre Mennoniten, weil sie, aller Plackereien ungeachtet, von ihrem Glauben nicht lassen wollten, nach Italien in die Sklaverei verkauft1 2). In Deutschland duldete sie einzig der hochherzige Friedrich Wilhelm von Brandenburg in Kleve und Mark, obgleich auch hier die reformirte Geistlichkeit nicht aufhörte, dagegen zu protestiren 2). Spaeth hielt sich während dieser Zeit im Klevisehen auf, und da er rühmt, er sei hier für den Feinsten unter den Feinen gehalten worden3), so könnte man annehmen, er spreche von den Mennoniten. Diese unterschieden sich nämlich in Bezug auf die Strenge in Handhabung der Kirchenzucht in die Feinen und in die Groben. Aber nothwendig isf diese Annahme nicht. Wie Albrecht ßitschl nachweist4), gab es auch unter den ßeformirten eine strenge ßichtung, welche sich dieFeinen oder Ernstigen nannten. Und dass Spaeth vor seinem Uebertritt zum Judenthum zu den Klevisehen ßeformirten in naher Beziehung stand, wird ausdrücklieh berichtet5). War Spaeth. schon im Frankfurter Pietistenkreise durch die dort herrschende Meinungsverschiedenheit in den wichtigsten Glaubenslehren an diesen selbst irre geworden, so musste nothwendig die Einwirkung der verschiedenartigsten Secten: der schwärmerischen Pietisten und Mystiker, der Separatisten und Indifferentisten, der Socinianer und Mennoniten, verhängnissvoll für seine christliche Gesinnung werden. Was ihm vielleicht noch vom Christenthum geblieben war, das raubten ihm vollends die Bationalisten und Freidenker. Man erinnere sich, dass das 17. Jahrhundert eine herrliche Blüthe der Naturwissenschaften zeitigte und nach langem Winterschlaf wieder eine wahre, voraussetzungslose Philosophie in’s Leben treten Hess. Es war das Jahrhundert eines Galilei und Kepler, eines Huyghens und Swammerdam, eines Cassini und *) Herzog’s Real-Encyclopädie für prost. Theologie, 2. AufL, Bd. IX, S. 567. 2) Heppe, Zur Geschichte der evang. Kirche Rheinlands and Westfalens, Bd. I, Iserlohn J.867, S. 190. 3) Sendschreiben, S. 3. 4) Geschichte des Pietismus, Bd. I, Bonn 1880, S. 101. 5) Schudt, a. a. 0., IV. 1. S. 199.