Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829668-2829674-2878988--26265-2879036- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt. 225 manischer Ideen, welche yon Polen her in Deutschland eindrangen. Die Socinianer hatten fast alle specifisch christlichen Lehren: Dreieinigkeit, Erbsünde, Opfertod Jesu, Rechtfertigung durch den Glauben, beseitigt; Christus wurde von ihnen als eine Art Halbgott verehrt. Aber viele, die Budnier und die Da vidisten, wollten auch die Verehrung Jesu nicht gelten lassen und näherten sich in ihren Anschauungen den! Judenthum. Noch mehr war dies bei Simon Pechy in Siebenbürgen, dem Reichskanzler unter Fürst Bethlen, der Fall, von dem freilich Spaeth schwerlich Kunde hatte, der fiir seine Anhänger Siddur und Machsor in’s Magyarische übersetzte und sie den Sabbat und die jüdischen Speisegesetze beobachten liess1). Aus Polen 1661 verjagt, fanden die Socinianer bloss in Holland gastliche Aufnahme. Als sie in Dänemark um ein Stück Erde baten — wo nicht zum Leben, so doch zumt Sterben, gab der Erzbischof die herzlose Antwort: ״Es gieb auch Leute, welche in der Luft verfaulen2)41. In Deutschland erstreckte sich die im Westfälischen Frieden garantirte Toleranz nur auf Katholiken, Lutheraner und Reformirte; Secten sollten nicht geduldet werden. Mächtige Herren, wie Friedrich Wilhelm von Brandenburg oder Karl Ludwig von der Pfalz, durften sich wohl über das ßeichsgesetz hinwegsetzen und Duldung gewähren; wenn sich aber kleinere Potentaten, wie z. B. der Graf von Isenburg-Büdingen dasselbe erlaubten, dann schritt das Reichsgericht dagegen ein 3). Daher konnten sich nur an sehr wenigen Orten Deutschlands Socinianergemeinden bilden und nicht an solchen, wo sich Spaeth während dieser Zeit nachweislich aufgehalten hat. Die Nachricht, dass er sich den Socinianern angeschlossen habe4), ist also wenig glaubwürdig; socinianische Ideen werden allerdings beträchtlich auf ihn eingewirkt haben. Zweifelhaft ist auch, was Caroli und La Oroze berichten5 &), Spaeth sei unter die Mennoniten gegangen und habe sich hier seine freie Denkweise angeeignet. Die Mennoniten, 1) S. Lohn, Die Sabbatharier in Siebenbürgen, Budapest und Leipzig 1894, S. 180. 195 f. 2) Frank, Geschichte der prot. Theologie, Band II, Leipzig 1665, S. 59. 3) Biedermann, Deutschland im achtzehnten Jahrh. II. 1. 2. Aufl. Leipzig 1880. S. 843. 4) La Croze, Vindiciae vet. script. p. 61; 'Wolf, Biblioth. heb. I, 812; Beimmann, Historia univ. athei&mi, Hildesiae 1725, p. 49. &) Carolus, Memorab. eccles. saec. XVII. II. 2. Tubingae 1702. p. 911; La Croze a. a. 0. S. 61. Monatsschrift. 39. Jahrgang. 15