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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 5 · p. Seite 223

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 5
Article
Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
Date
1895-01-01
Page
Seite 223 (sequence 3)
Language
German
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Johann Peter Spaetb (Moses Germanus), der Proselyt. 223 vollzog, war er kaum noch. Christ; spätere Studien und Erfahrungen bestärkten ihn immer mehr in seiner kirchenfeindliehen Gesinnung, so dass es bei seiner Energie und Wahrheitsliebe nicht zu verwundern ist, wenn er schliesslich offen und völlig mit dem Christenthume brach. Wir finden ihn zunächst noch im Terkehr mit Pietisten. Er hielt sich nach Aufgabe seiner Stellung wieder in Frankfurt auf. Freilich mit Spener konnte er nicht mehr seine Zweifel und Gewissensscrupel besprechen, denn dieser hatte 1686 Frankfurt verlassen, um als Oberhofprediger nach Dresden zu gehen, aber an dessen Stelle wurde Spener's Nachfolger Johann Daniel Arcularius sein Yertrauter 1). Längere Zeit weilte er auch im Hause des Pastors Horb in Hamburg, eines Schwagers und Gesinnungsgenossen Spener’s; dann treffen wir ihn in Lübeck bei Dr. Hattenbach, einem Arzte, der mit, den dortigen Orthodoxen in Fehde lag*, besonders aber pflegte er Freundschaft mit dem Schwärmer Johann Wilhelm Petersen und dessen Gattin, geborene von und zu Merlau. Spener hatte das Ehepaar 1680 zu Frankfurt getraut und bewahrte demselben stets seine Freundschaft, auch als Beide auf bedenkliehe Ketzereien verfallen waren. Petersen, der nacheinander Professor in Rostock, Prediger in Hannover, Superintendent in Lübeck und Lüneburg war, hatte nach der Hochzeit zu seiner freudigen XJeberraschung wahrgenommen, dass auch seine Frau Visionen gewürdigt wurde, deren er selbst sich rühmte. Beiden wurden durch eine innere Stimme und durch wunderbare Erscheinungen die tiefen Geheimnisse der Apokalypse enthüllt. Sie lehrten, dass die Zeit nahe, wo die Juden sich bekehrten und die Fülle der Heiden in’s Gottesreich eintrete; Christus werde alsdann tausend Jahre als Friedensfürst die Welt regieren. Im Widerspruche mit der orthodoxen Kirchenlehre behaupteten sie auch die Wiederbringung aller Dinge. Sie meinten — und das macht ja allerdings ihrem Herzen alle Ehre — die Höllenstrafen seien nicht ewig; Alle, der Teufel nicht ausgeschlossen, würden einst selig werden. Der Umgang mit den Pietisten der schwärmerischen Richtung war auf Spaeth’s Denkweise nicht ohne Einfluss. Freilich, weit entfernt, ihnen in ihren Phantastereien za folgen, wurde vielmehr durch sie die Ueberzeugung in ihm wachge- *) Difenbach, Judaeus conversus, S. 187.

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