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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 5 · p. Seite 217

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 5
Article
Die Beziehungen des Vincenz von Beauvais zum Judenthum
Date
1895-01-01
Page
Seite 217 (sequence 11)
Language
German
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Die Beziehungen des Yincenz von Beauvais zum Judentkuui. 217 Jahres 1106 in Osca durch den Bischof Stephanus die Taufe. Sein Taufpathe war der König Alfons von Aragonien, dem zu Ehren der Täufling neben dem Kamen des Tagesheiligen Petrus auch den Kamen Alfonsus annahm. Zur Rechtfertigung seines Uebertritts verfasste Petrus Alfonsus eine gegen das Judenthum und nebenher auch gegen den Islam gerichtete polemische Schrift, die vielleicht das zweifelhafte Verdienst hat, diese Art von Literatur iin lateinischen Abendlande zum ersten Male eingeführt zu haben. Diese Schrift, aus einem Prolog und zwölf Abschnitten (tituli) bestehend, führt den Titel: Dialogi, in quibus impiae Judaeorum opiniones evidentisismis cum naturalis tum coelestis philosophiae argurnentis confutantur, quaedam prophetarum abstrusiora loca explicantur 1). Sie ist in der Form eines Dialogs gehalten zwischen Petrus, der die Vertheidigung seines neuen Glaubens übernimmt, und seinem alten Jugendfreunde Moyses, dem die Vertretung des Judenthums zugewiesen wird. Selbstverständlich gelingt es Petrus auf das Glänzendste, seinen Freund Moyses, der zu ihm gekommen war, um ihn wegen seines Uebertrits zur Rede zu stellen, davon zu überzeugen, dass das Christenthum die eigentliche Wahrheit sei, während dagegen die Juden die Aussprüche der Propheten völlig missverstanden und darum das Schicksal, das sie getroffen, wohl verdient hätten. Das Letztere sucht Petrus, der sich selber seiner grossen Talmudkunde rühmt lind sich dieses Zeugniss auch von seinem Mitunterredner bestätigen lässt2), aus gewissen Talmud stellen zu beweisen, in denen neben anderen gotteslästerlichen Ansichten besonders eine grobsinnliche und unwürdige Auffassung des göttlichen Wesens zu Tage trete. Aus dieser im Jahre 1110 verfassten Schrift3), die von den christlichen Theologen des Mittelsalters wohl vielfach benutzt worden ist4) und nach dieser Richtung hin noch eine eingehendere Untersuchung verdiente, giebt Vincenz von Beauvais 1) Die Schrift ist zuerst gedruckt Cöln 1536 und wieder abgedruckt in der Bibliotheca Patrum Lugdun. 551. 172 sequ. und in Migne’s Patrologia (Sect. latina) Tom. CLYII col. 535—672. 2) Kaymuud Martin sagt von ihm im Pugio fidei III dist, 3 cap. 4• Petrus Alfonsi, qui .fuit in Hispania, priusquam fieret Cliristianus, magnus Eabinus apud Judaeos. 3) Dialogi tifcul. 2 col. 56S (ed. Migue). Die ergo, si nosti, quaenam causa hujus tarn longae tamque dirae fuerit captivitatis, quae jam mille quadraginta duravit annis. 4) Die von Johannes Duns Scotus erwähnte Talmud stelle BeräcJioth fol. 59a (vgl. Monatschrift B. 38 N. P. B. 2 S. 32 Anmerk. 2) wird schon von Petrus Alfonsus Dialog, tit. 1 col. 591 citirt.

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