Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Beziehungen des Vincenz von Beauvais zum Judenthum
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Beziehungen des Vincenz von Beauvais zum Judenthum. 213 gebiet ist dem christlichen Mittelalter erst durch den jüngeren Zeit- und Ordensgenossen unseres Yincenz, durch Raymund Martin, in dessen P'ugio fidei einigermassen erschlossen worden. Was an einigen wenigen Stellen des Speculum majus als Ueberlieferung der Hebräer angeführt wird und mehr oder minder genau dem Talmud entlehnt ist, das wird Yincenz wohl durch seinen persönlichen Yerkekr mit Juden erfahren haben, Auf einen solchen jüdischen Gewährsmann beruft Yincenz sich ausdrück־ lieh bei einer Erklärung, die er für den an den Häusern haftenden Schaden des Aussatzes giebt* 1)• Yieht ganz genau ist die Bemerkung, dass nach der Heb erlieferung der Hebräer der Bericht über den zweiten Schöpfungstag darum nicht, wie es bei clen anderen Tagen geschieht, mit den Worten: ״Und Gott sah, dass es gut'’sei,“ schliesse, weil an diesem Tage der Teufel geschaffen sei 2), denn im Talmud wird als Grund dafür angegeben, nicht dass der Teufel, sondern dass das Feuer des Gehinnom oder der Hölle am" zweiten Tage geschaffen vel Babboai, id est magister. Höchst seltsam ist seine Auslegung einiger jüdischen Beste. Specul. histor. Lib. II Cap. 48 pag. 622: Eestum clangoris sive tubarum fiebat prima die Septembris in memoriam liberationis Isaac, qui eo die liberatus est ariete pro ipso immolato etc. Bestum propitatiönis fiebat decirna die Septembris, quia in eo retuitl Moyses filiis Israel Dominum placatum super offensam vituli. Eadem die jejunabant liomines et jumenta et etiam pueri septennes usque ad vesperam pro memoria mortuorum. (Hier liegt vielleicht eine Verwechselung mit dem zehnten Tebet vor, von dem es bei Thomas von Aquino Coinment. in Sent. IV dist. 15 qu. 3 art. 3 heisst: In decimo autem mensi, id est Januario, in memoriam mortuorum, quos Dominus in deserto percusserat.) Vom Sclilussfest (Sehemini- Azereth) sagt Vincenz: Oct&vus etiam dies solennis erat, inquo faciebant collectam forte 111 usus pauperum vel alios communes usus. Eine ahnliehe Deutung des Schlussfestes findet sich auch bei Thomas von Aquino (vgl. meine Schrift über Thomas v. A. S. 14 Anmerk. 2); vermutlich hat zu dieser Deutung der Name dieses Bestes: Collectae Veranlassung gegeben. Oder sollten Vincenz und Thomas Etwas von. מתכת יד gehört haben? 1) Specul. hist. Lib. II cap. 36 p^g. 59. Porro sicut lex quosdam cibos immundos reputari fecit, ut in Judaeis vitium gulae coerceat, sic etiam non absurdum videri potest, quod a quodam Hebraeo audivi, quasdam domus eorum leprae condemnari, ut eorum superbiam in aedificiis reprimeret. Cum enim quis domum pulchram et ultra modum curiosam aedificasset, Dominus illam plagam, quae lepra dioitur, in ea immittebat, ita quod eam dir ui oportebat. Als Strafe für den Hochmuth wird der Aussatz bezeichnet Talmud b. Sota fol. 5a. 2) Specul. natur. II cap. 24 col. 94. Tradunt tarnen Hebraei, quod in secunda (die) angelus factas est diabolus ideoque de opere illius diei non dicitur: vidit Deus, quod esset bonum.