Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Beziehungen des Vincenz von Beauvais zum Judenthum
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Beziehungen des Vincenz von Beauvais zum Judenthum. 211 Politik, Mechanik, Kriegswissenschaft, Kunst, Astronomie und Astrologie, Alchemie, Anthropologie und Psychologie und endlieh die Theologie. Im Speculum historiale giebt Vincenz eine synchronistische Darstellung der Weltgeschichte von der Schöpfung bis auf seine Zeit. Die letzten Ereignisse, die er berichtet, fallen in das Jahr 1254. Das Speculum morale, das in den Gesammtausgaben des Speculum majus sich als vierter Theil dieses Werkes darstellt, ist längst als die Arbeit eines Späteren erkannt, und zwar als eine Kompilation, in der neben einigen anderen Schriften besonders die Summa theologiae des Thomas von Aquino benutzt wird1). Das Speculum majus bietet in allen seinen Theilen Nichts weiter als eine systematisch geordnete Sammlung von Excerpten dar, die jedes Mal denjenigen Schriftstellern entnommen sind, wrelche über den betreffenden Gegenstand gehandelt haben, in״ soweit sie unserem Autor zugänglich waren. Nur an wenigen Stellen, die als solche kenntlich gemacht sind, unterbricht Vincenz das Verhör, das er mit den von ihm zu Rathe gezogenen Autoritäten anstellt, um selber das Wort zu ergreifen und seine eigene Ansicht auszusprechen. Wir sind daher kaum in der Lage, uns ein Urtheil darüber zu bilden, wie er persönlich über die Juden gedacht und welche Stellung er dem Judenthume gegenüber eingenommen habe. Was er im neunten Buche des Speculum doctrinale, bei der Darstellung des Kirchenrechts, über die rechtliche Stellung und die Behandlung der Juden vorbringt2) beschränkt sich fast durchweg auf eine Zusammenstellung der Bestimmungen des kanonischen Rechtes, deren Verbindlichkeit für ihn selbstverständlich ausser Frage steht und die er ohne jede eigene Zuthat wiedergiebt. Nur in Bezug auf eine in jener Zeit vielfach verhandelte Frage, ob es nämlich zulässig sei, jüdische Kinder zwangsweise der 'Taufe zuzuführen, spricht er seine eigene Ansicht ans, die dahin geht, dass dem Landesfürsten das Recht dazu nicht be- :stritten werden könne, denn so gut, wie er den Juden als 1) Ygt. Hist. Litt, de France XVIII. pag- 474 fg; Vogl S. 17 fg. Die Bedeutung dieses dem. Vincenz von Beauvais untergeschobenen Speculum morale für die Geschichte der Ethik wird eingehend erörtert von Gass in der Zeitschrift für Kirchengesehichte B. 1 und 2. 2) Specul. doetr. Lib. IX. cap. 87: De perfidia Judaica; cap. 36: Qualiter mter Christiaaos Judaei tolerandi sunt; cap 40; De cohabitatione vel communione fidelium cum infidelibus; cap. 41: De attractione eorum ad fidem. Im Capiiel 43 wird auch die Frage erörtert, ob Juden Christ• liehe Sklaven haben dürften, im Capitel 140, ob von Juden der Zehnte zu erheben sei. Lib. X cap* 120—121 wird die Zinsfrage erörtert. 14*