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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 5 · p. Seite 210

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 5
Article
Die Beziehungen des Vincenz von Beauvais zum Judenthum
Date
1895-01-01
Page
Seite 210 (sequence 4)
Language
German
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210 Die Beziehungen des Yincenz von Beauvais zum Judenthum. 1184 und 1194, gestorben um das Jahr 12641) fällt nämlich in die Regierungszeit der beiden französischen Könige Philipp August (1180—1223) und Ludwig IX., der Heilige genannt (1226—1270). Dem Dominikanerorden angehörend, in den er wohl nicht lange nach dessen im Jahre 1215 erfolgter Gründung eingetreten ist1 2), ward er im Jahre 1228 aus dem Convent dieses Ordens in Beauvais von Ludwig IX. nach Boyaumont berufen, wo er dem königlichen Hofe, der häufig in dem dort gelegenen Schlosse weilte, als Lector und als Prediger seine Dienste widmete. Von seinen nahen Beziehungen zur königliehen Familie legt der Trostbrief Zeugniss ab, den er bei Gelegenheit des im Jahre 1260 erfolgten Todes des Prinzen Louis an das Königspaar richtete 3). Im Aufträge der Königin Margaretha verfasste Vincenz auch eine Schrift über Prinzenerziehung (De institutione filiorum regiorum seu nobilium), die von Schlosser in’s Deutsche übersetzt worden ist4). Eine andere Schrift über die moralische Unterweisung des Fürsten (De morali principis institutione) ist bisher ungedruckt geblieben, aber ihrem Hauptinhalte nach wohl in dem Speculum majus enthalten. Hier in Boyaumont, wo ihm die sehr reiche und für seine Zwecke noch eigens vermehrte Bibliothek des Königs zur Verfügung stand, unternahm Vincenz auch die Abfassung seines Hauptwerkes, des Speculum majus, dessen Titel sich an eine frühere, aber nicht mehr vorhandene kleinere Schrift: Speculum seu imago mundi anschliesst5). Das Speculum majus besteht aus drei Theilen: dem Speculum naturale, dem Speculum doctrinale und dem Speculum historiale. Das Speculum naturale handelt von Gott und der Schöpfung; in Anlehnung an den biblischen Schöpfungsbericht bringt es nach der Beihenfolge des Sechstagewerkes die gesammte Naturwissenschaft zur Dar- Stellung. Im Speculum doctrinale werden sämmtliche Fächer der Wissenschaft und der Kunst behandelt: Philosophie, Sprachkünde, Logik, Poetik, Rhetorik, Ethik, Medicin und Chirurgie, Geographie, Naturkunde, Agricultur, Zoologie, Oekonomie, 1j Vgl. Hist. Litt, de I. France XVIII .pag. S. 452 fg.; Vogl, a. a. 0. S. 2B. fg. 2) De Boulay, Histor. Universit. Paris III pag. 718. 3) Epislota consolatoriaj ad regem Francorum Ludovicnm super morte Ludovici primogeniti sui. In manchen Handschriften wird dieser Trostbrief als auch an die Königin Margaretha gerichtet bezeichnet Vgl. Vogl S. 23. 4) Schlosser, Vincenz von Beauvais, Hand- und Lehrbuch für königliehe Prinzen und ilire Lehrer. Diese Uebersetzuag bildet den ersten Theil der bereits mehrfach genannten Schrift. 5) Speculum majus Prolog, general, cap. 3.

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