Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 8)
- Language
- German
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Johann Peter Spaeth (Moses Gerraanus), der Pioselyt. 185 dieser Kelch, an mir vorübergehen!‘‘ —■ Die Zweifel, womit er sich und Spener plagte, waren: Wie kann das die wahre Kirche sein, in welcher so viel Sittenlosigkeit herrscht! Sagt doch Jesus selbst: ״An ihren Früchten werdet Ihr sie erkennen“. Die Protestanten behaupten alle, die Wahrheit zu besitzen, und doch giebt es kaum zwei, welche in den fundamentalen, zur Seligkeit nothwendigen Glaubenssätzen mit einander übereinstimmen. Spener selbst kann sich mit seinem frommsten Anhänger, mit Rechtsanwalt Schütz, nicht verständigen! — Spener’s Erwiderungen machten wenig Eindruck. Er bereute seinen TJebertritt und wollte, obgleich ihm im Grunde auch die katholische Kirche zuwider war, doch wieder zurücktreten. Man müsse, meinte er, in dem Glauben, in welchem man geboren sei, bleiben; wenn man Missbräuche bemerke, könne man sie ja bekämpfen1). Bevor er den entscheidenden Schritt that, wollte er aber noch mit Friedrich Breckling in den Niederlanden Rückspräche nehmen. Breckling, ein lutheriseher Prediger aus Handewith in Schleswig, war überall, wo er ein Predigtamt bekleidet hatte, wegen seiner rücksichtslosen Sprache gegen die Kirche abgesetzt worden. Seine Aeusserungen überstiegen aber auch alles Mass. ״Das Babel der heutigen Christenheit,“ so liess er sich in einem seiner Pamphlete vernehmen, ״ist eine Behausung voller Nachteulen, Drachen, Igel, Wölfe, Basilisken, Ottern, Zauberer, Feldgeister, Huren und lebendiger Teufel 2).“ Spaeth wollte gern von ihm selber die Gründe hören, welche ihn bestimmten, trotz dieser antikirchlichen Gesinnung innerhalb der Kirche zu verbleiben. Aber der ״alte Zänker“, wie er ihn später benennt3), machte wenig Eindruck; ebenso gesinnt wie bei der Abreise, kehrte er nach Frankfurt zurück und vermied es jetzt, sich mit Spener in Erörterungen einzulassen. Dieser wusste, woran er war, und als er hörte, dass sich Spaeth nach Augsburg zu seinen Eltern begeben wollte, so schrieb er, um nichts unversucht zu lassen, an den gemeinschaftlichen Freund Spitzel, er möge doch durch geistliehen Zuspruch auf die verirrte Seele einzuwirken suchen4). Alles war vergeblich; Spaeth schwur gleich nach seiner Rück- 1) Spener, Consilia et judicia latina, III, 427. Tlieol. Bedenken III, 534. 2) Frank,'a. a. 0. Bd. II, S. 118. 3) Schmidts Allg. Zeitschr. für Gesell. VII, 1847, S. 402. 4) Spener, Consilia et judicia lat. 111,427.