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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 4 · p. Seite 182

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 4
Article
Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
Date
1895-01-01
Page
Seite 182 (sequence 5)
Language
German
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182 Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt. Anfänglich allerdings glühte er, wie die meisten Keophyten, vor Gl&nbenseifer. Er konnte sich nicht enthalten, gleich ,nach.seiner Rückkehr nach Augsburg in’s Jesuitenkloster zu gehen, um den Patres in’s Gesicht zu sagen, dass ihre Religion falsch sei 1 2). Sein Christenthum war das mystisch ge״ färbte, ־wie es besonders durch Weigel und Jacob Böhme unter den Protestanten verbreitet war und immer weitere Kreise für sich gewann, obgleich die herrschende Orthodoxie nicht geringen Anstoss daran nahm. Dieser Richtung gehörte der Superintendent Spitzel in Augsburg an, mit dem Spaeth schon seit seinem zwanzigsten Jahre bekannt war, und der sein Ilieil dazu beigetragen hatte, ihn für die lutherische Kirche zu gewinnen 2). Ganz in diesem Geiste, gut Diony- ,sisch-Areopagitisch oder Jacob-Böhmisch, wie er .selbst sagt3), verfasste Spaeth seine erste Schrift: £tt1a7pacp£a theologico-philosophico-aenigmatica, welche er 1680 dem geistliehen Ministerium zu Augsburg dedicirte. Spitzel war von dieser frommen Schrift entzückt und empfahl den "Verfasser mehreren einflussreichen Persönlichkeiten in Strassburg,. wo er eine Stellung beim Apotheker Greim annahm, daneben auch Vorlesungen an der Universität hörte und dann und wann in den Kirchen predigte. Seine Frömmigkeit und sein Glaubenseifer war so gross, dass man ihn wohl den zweiten Luther nannte4). Lange währte sein Aufenthalt in Strassburg nicht; es zog ihn zu Spitzel’s Freund Spener, welcher damals als Oberprediger zu Frankfurt a. M. eine ebenso einflussreiche wie segensreiche Thätigkeit entfaltete. .Spener nahm sich wie ein Vater seiner an. Er wusste seine Tüchtigkeit als Lehrer, seinen religiösen Ernst, seine Aufrichtigkeit־. und: seinen Trieb nach Wahrheit wohl zu schätzen5). Wie er von Aberglauben überhaupt nicht frei war, .glaubte er darin eine Fügung des Himmels zu erkennen, dass Spaeth’s und Spitzel’s Käme mit denselben Buchstaben wie. der seinige anfing. Vorläufig verschaffte er seinem Schützling eine Lehrerstelle im Saalhof, machte ihm aber Hoffnung auf ein Rectorat, sobald nur eins frei sein würde6). *) Sckuclt a. a. 0. IV, 1, S. 198. 2) Sehudt, a. a. 0., S. 193. 3) Sendschreiben eines gewesenen Pietisten, S. 2. 4) a. a. 0. S. 2. 5) a. a. 0. S. 2. Spener, Theol. Bedenken, Bd. III, S. 534; Bd. IV, S. 623; Consilia ed. judicia latina, 8. 427. G) Sch ad t, a. a. 0., IV, 1, S. 193.

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