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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 4 · p. Seite 181

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 4
Article
Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt
Date
1895-01-01
Page
Seite 181 (sequence 4)
Language
German
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Johann Peter Spaeth (Moses Germanus), der Proselyt• 181 Protestanten wohnte, unterrichtete. Dies forderte ihn zur Prüfung und zur Vergleichung mit seinem angestammten Glauben heraus; der Unterschied, so meinte er damals, sei der von Licht und Finsterniss. Diese Vorliebe für das Lutherthurn wurde noch bestärkt auf einer Reise, die er in Begleitung eines Fürsten von Oettingen, als dessen Secretär, nach Stuttgart unternahm, denn hier hatte er Gelegenheit, mit mehreren hervorragenden Protestanten über Glaubenssachen zu disputiren. Sein Entschluss war gefasst; er löste sein Verhältniss zum Fürsten und trat in Tübingen zur lutherischen Kirche über. In welchem Jahre die Conversion erfolgte, wird nicht berichtet; nur soviel hören wir, dass er bereits in reifem Mannesalter stand 1). Dieser Schritt kann befremdlich erscheinen zu einer Zeit, wo der Protestantismus offenbar im Rückgänge begriffen war. Es war das Jahrhundert, in welchem zwei englische Könige katholisch wurden, ja in welchem der Papst den Triumph erlebte, dass die Tochter des Schwedenkönigs, welcher für den Protestantismus sein Herzblut verspritzt hatte, vom Throne herniederstieg, um als Katholikin zu leben. In Deutschland traten während dieser Zeit nicht weniger als 39 Glieder souveräner Fürstenhäuser zum Katholicismus zurück, darunter Friedrich August von Sachsen, das Haupt der Lutheraner2). Aber auch viele Gelehrte, selbst Geistliche, wurden katholisch, und dass sogar das Volk, welches sich noch in der ersten Hälfte des Jahrhunderts so glaubensstark gezeigt hatte, in den folgenden Jahrzehnten den Bekehrungsversuchen der Jesuiten nicht mehr unzugänglich blieb, — auch dafür fehlt es nicht an Beispielen3). A11 diesen massenhaften Uebertritten war — wenn wir von Fällen ab sehen, wo änssere Vortheiie gesucht wurden — doch jedenfalls der traurige Zustand der protestantischen Kirchen, wie wir ihn später noch kennen lernen werden, schuld. Spaeth kannte wohl, als er die Religion wechselte, diese Zustände nicht genügend; wir werden daher im Voraus vermuthen, dass ihm sein Uebertritt keine dauernde Befriedigung verschaffen konnte. 1) La Croze, Vindiciae veterum seriptorum p. 61. 2) Höninghaus , Chronologisches Verzeichniss der denkwürdigsten Bekehrungen vom Protestantismus zur katholischen Kirche, Aschaffenbürg 1837, S. 71. 3) Tholuck, Vorgeschichte des Rationalismus II. 2. Berlin 1862. S. 55.

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