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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 4 · p. Seite 165

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 4
Article
Die Vertretung der jüdischen Wissenschaft an den Universitäten
Date
1895-01-01
Page
Seite 165 (sequence 21)
Language
German
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Die Vertretung der jüd. Wissenscliaft an den Universitäten. 165 vor der Thüre bleiben, wo in den Palast der Erkenntniss der letzte und jüngste Ausläufer der Natur- und Geisteswissenschäften Einlass heischt nnd findet! Die Forderung, dass auch die jüdische Theologie als Facultät den Universitäten eiaverleibt werde, würde heute, nachdem wir es so herrlich weit gebracht haben, als unreife Knabenhaftigkeit oder romantische Schwärmerei beLächelt werden. Um so dringender wird aber dann die Vertretung der jüdischen Wissenschaft an unseren Hochschulen, die durch deren Mangel nicht nur eine Lücke aufweisen, sondern oft genug eine Schmälerung ihres sonst so gerechten Ansehens zu befahren haben. Es ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern im wohlverstandenen Interesse unserer Hochschulen selber zu wünschen, dass ein so tief mit der Geschichte und Erkenntniss der Menschheit verwachsenes Schriftthum wie das jüdische an ihnen nicht unvertreten bleibe. Das Vorurtheil, als ob man mit der sog. Kenntniss des A. T. auch die Befugniss eiworben habe, in jüdischen Dingen mitzureden, muss einfach weggeräumt werden. Mau kann in beiden Testamenteu Bescheid wissen und doch behaupten, wie es in unseren Documenten geschieht (p. 12), dass die Juden für Testament kein hebräisches Wort haben. Aller grammatische Tiefblick und alle historische Schulung hat Ewald nicht in den Stand gesetzt, ein Stück aus der Abendliturgie des jüdischen Hüttenfestes zu erkennen und vor barer Lächerlichkeit sich zu bewahren. Das Quellenscheiden und Herumdoctern an dem geduldigen Bibelwort befähigt auch nicht einmal zur Beurtheilung des letzten Trümmers jüdischer Litteratur. Man kann jedem Bibelverse anriechen zu können vermeinen, nach welcher Quelle er schmeckt und ihn in Formeln fassen, die eher dem Ammoniak in der Sprache der Chemie als einem Stück der heiligen Schrift ähnlich sehen, und vor einer Zeile urhebräischen Sprachguts in die kläglichste Rathlosigkeit und jämmerlichste Verzweiflung stürzen. Paul de Lagarde hat die Namen der Psalmisten aus dem Psalter heraushören wollen; wie weit seine sprachliche Vorbereitung gereicht hat, das hat ihm sicher zu seiner eigenen Verblüffung das erste beste Piutstück gezeigt. Es gehört eben mehr dazu, als hebräische Charaktere nachmalen zu können, um einen jüdischen Text, ohne sich die ärgerlichsten Blossen zu geben, zuverlässig auszulegen. Wenn Mommsen von der prähistorischen Wissenschaft gesagt hat, sie sei diejenige Disciplin, in der man der Kenntniss des ABC’s entrathen könne, so verlangt unter den

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