Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Vertretung der jüdischen Wissenschaft an den Universitäten
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
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146 Die Vertretung der jüd. Wissenschaft an den Universitäten. licht und der Wissenschaft zugänglich gemacht sind. Aber auch schon vor mehr als einem halben Menschenalter hat Harkavy1) darauf aufmerksam gemacht, dass in der zweiten Firkowitz’sehen Sammlung eine ganze Handschrift voll Urkünden des rabbinischen Gerichtshofes zu Alexandrien aus der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts vorhanden ist. Und erst jüngst hat er vollends von dem herrlichsten Funde auf diesem Gebiete Nachricht gegeben 2 *), von dem Urkundenwerke des alten GaonsHäja b. David, dessen Herausgabe als neuer Ruhmestitel des ausgezeichneten Forschers nicht dringend genug gewünscht werden kann. Aber auch sonst hat besonders das Material zur Geschichte der rabbinischen Urkunden im Mittelalter die glück־־ lichste Bereicherung in der neuesten Zeit erfahren. Abgesehen von den Wechselbriefen und Yerträgen aus dem England vor der Vertreibung von 1291, die in M. D. Davis einen ebenso zuverlässigen als sachkundigen Herausgeber und Erklärer gefunden haben, und den Kölner Schreinsurkunden, die trotz der im Einzelnen verunglückten Bearbeitung ein ausserordentlich schätzbares geschichtliches Material liefern, sind aus den verschiedensten Ländern Europas rabbinische Urkunden zum Th eil in photographischer Nachbildung zu Tage gekommen, die unsere Einsicht in dieses Forschungsgebiet in unerwarteter Weise erweitert haben. Fidel Fita hat aus dem Schatz der Kathedrale von Leon hebräische Kaufverträge hervorgezogen, denen Isidore Loeb erschöpfende Erklärung hat angedeihen lassena). Andere aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammende Urkunden dieser Art aus Gerona, Barcelona und Castejon hat Loeb später herausgegeben und bearbeitet4). Kaufbriefe aus Wiener-Neustadt und anderen Orten aus dem 14. u. 15. Jahrhundert5) setzen uns in den Stand, gewissermassen das Formelbuch der rabbinischen Kanzleien in seiner Entwickelung und Stetigkeit durch die Jahrhunderte zu verfolgen. So vortheilhaft das Bild sein mag, das dieser flüchtige Ueberblick von dem stillen und ergebnissreichen Fleisse der ohne die Gunst der Mächtigen und ohne das Geld der Staaten arbeitenden jüdischen Wissenschaft auf dem kleinsten 1l מאסף נדחים, Nr. 12, p. 181—3־. 2) האסיף, ed. N. So ko low, VI, 152 ff. 3) Kevue des etudes juives, IV, 225 ff. 0 Ib. X, 108 ff. 5) Pollak, M, a zsidok Becs Ujhelyen [= Die Juden in Wiener- Neustadt] p. 104 ff.