Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Erklärung zweier Mischnastellen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 15)
- Language
- German
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Zur Erklärung zweier Mischnastellen. 77 Hauptvertretern dieser neuen Lehrweise gehört, und der bekanntlich in seinen Deutungen sich so eng wie möglich an den natürlichen Sinn des Schriftwortes anlehnt, in den Worten ומורעך לא תתן להעביר למולך, die, wie B. 1) richtig bemerkt, wegen ihrer Stellung inmitten der Arajot eine diesen verwandte Auffassung geradezu herauszufordern schienen, eine willkommene Stütze für das alte Yerbot des fleischlichen Umganges mit heidnischen Frauen, und erklärte demgemäss: בבא על הכותית ♦ ♦ * הכתוב מדבר. Diese Erklärung musste ihm um so natürlicher und naheliegender erscheinen, als der Nachsatz unseres Yerses: ולא תהלל את שם אלהיך an jene Stelle in Maleachi 2, 11—15 erinnert, wo nicht nur in den Worten: כי חלל יהודה קודש ד אשר אהב ובעל בת אל נכר der eheliche Umgang mit einer Heidin ausdrücklich als eine Entweihung des göttlichen Namens bezeichnet wird, sondern auch in den Worten: ומה האחד מבקש ורע א לקים gewisser־־!nassen ein beabsichtigter Gegensatz zu finden ist zu dem von Gott verabscheuten ורע מולך, d. h. einem Samen, der bestimmt ist, dem Götzendienste zu geführt* 1 2) zu werden. Dieser Deutung R. Ismael’s bemächtigten sich alsbald die Meturgemanim und übersetzten fortan bei den öffentlichen Vorlesungen in der Synagoge die Worte ומזרעך לא תתן להעביר למולך in der von der Mischna angegebenen Weise. Diese Ueber- Setzung musste jedoch R. Akiba, abgesehen davon, dass sie das Anstandsgefühl zu verletzen geeignet war, auch deshalb bedenklich erscheinen, weil sie einerseits das Moloch-Yerbot aus der Welt schaffte, und andererseits, wenn man consequent sein wollte, auf Grund von Lev. XX, 2, auf den Umgang mit heidnischen Frauen die Todesstrafe setzte. Aus diesem Grunde gesetztem Sinne aufznfassen. K. Josua will sagen: Ebenso wie die erste Zange, mit der andere verfertigt wurden, ans der Hand Gottes hervorgegangen sein muss, so lässt sich jede Halacha in letzter Linie anf ein Gotteswort zurückführen. So wird die Stelle im Jerasch. (Erabin, Ende) von E. Chanina ausdrücklich erklärt: ומד. את אמר לה מצבתא אחת למדו (נעשו .1) כמד, צבתות ובא משביתה אחת למדו כמד. שביתות. in Pes. 54a ist wohl für ד׳ יהודה zu lesen: יד׳ יהושע eine Corruptel, die sich durch falsche Auflösung der Abbreviatur ר״י leicht erklärt. Aehnlieh wie an dieser letzteren Stelle muss der Ausspruch übrigens auch in Mischna Abot 6, gelautet haben, wo er durch Auslassung verstümmelt ist. 1) S. 145. 2) Die Worte לאעבדא באדמיותא bedeuten nicht ״eine Aramäerin zu beschwängern“ (dann hätte es ארמיותא heissen müssen), sondern ״in eine Aramäerin einzuführen“. (Siehe Levy T. W. B. s. v. עבר und Bapo« port a. a. 0., p. 232.)