Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Erklärung zweier Mischnastellen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 13)
- Language
- German
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Zur Erklärung zweier Mischnastellen. 75 schlug daher das einzig richtige Yerfahren ein. Man suchte zu rechtfertigen, was irgendwie zu rechtfertigen war 1); was sich aber gegen jede apologetische Deutung sträubte, wurde einfach verurtheilt und als Sünde gebrandmarkt 1 2), womit allen etwaigen Angriffen von aussen von vornherein die Spitze abgebrochen war. Anders lag die Sache in der Synagoge. Da konnte man es nicht wagen, über eine angesehene biblische Person den Stab zu brechen, ohne zu befürchten, damit das Ansehen der Ahnen überhaupt bei dem unwissenden Volke herabzusetzen und in Manchem den Gedanken zu erzeugen, dass dasjenige, dessen sich ein Euben oder David habe schuldig machen können, bei einem gewöhnlichen Menschen als eine ganz verzeihliche Schwäche betrachtet werden müsste. Es blieb daher nichts anderes übrig, als diejenigen Stellen, die sich nicht leicht rechtfertigen Hessen, von der Uebersetzung auszuschliessen. Dieses partielle Uebersetzungsverbot hat aber, wie wir oben nachgewiesen haben, weder mit den עריות noch mit dem Gnosticismus als solchem das Geringste zu schaffen. Wir kommen nunmehr zu demjenigen Th eile des Büch lersehen Aufsatzes, der den letzten Passus der Mischna Meg. IV, 10 behandelt und der uns insofern beachtenswert!! erscheint, als er im Gegensatz zu den übrigen Ausführungen ein positives wissenschaftliches Ergebniss enthält-, das nämlich: dass die in der Mischna getadelte TJebersetzung der Worte ומורעל לא תתן להעביר למלך durch לא תתן לאעברא בארמיותא aus dem Bestreben hervorgegangen war, das zur Zeit der Zeloten entstandene Verbot des ehelichen Umganges mit heidnischen Frauen, als ein biblisches darzustellen (S. 147 f). Wenn aber nun B , der Ansicht Geiger’s3) folgend, meint, dass jene Uebersetzung selbst in der Zeit der Zeloten entstanden und später von R. Isinael durch seine Deutung בישראל הבא על הכותית והוליד ממנה בן לע״ז הכתוב מדבר gewissermassen nur sanctionirt wurde, so halten wir das für eine Umkehrung des wahren Sachverhalts. Der Midrasch R. IsmaePs ist nach unserem Dafürhalten nicht aus dem Targum sondern umgekehrt dieses aus jenem hervorgegangen4). Die von dem einfachen Sinn so weit abweichende Uebersetzung 1) Solche Rechtfertigungsversuche finden sich in b. Sabbatk 55b f. und an anderen Stellen. 2) Siehe daselbst die Deutungen R. Elieser’s und selbst des milden R. Josua zu dem Worte פחך> Gen. XLIX, 4. Vergl. oben S. 64 und Anm. 3 daselbst. 3) Urschrift, S. 303. 4) Cf. Ra poport im Nachlath Jehuda (Krakau 1868), S. 232.