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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 2 · p. Seite 71

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 2
Article
Zur Erklärung zweier Mischnastellen
Date
1894-01-01
Page
Seite 71 (sequence 9)
Language
German
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Zur Erklärung zweier Mischnastellen. 71 verstanden haben will, würde, da es sich um Thatsachen handelt, die Aenderung eines Wortes oder gar eines Suffixes gar keinen Zweck haben. Die Erklärung B.’s zu den beiden Mischnastellen, soweit sie von עריות handeln, erweist sich daher sowohl als sprachlich wie als sachlich unzulässig, und wir sind umsomehr geneigt, bei der alten Erklärung von עריות zu bleiben, als schon die Zusammenstellung derselben in Meg. IV, 10 mit Lev. XVIII, 21 die Beziehung auf dieses ganze Capitel als die natürlichste nahelegt. Wenn aber nach dem bisher Gesagten noch irgend ein Zweifel über die hier allein mögliche Bedeutung von עריות gestattet wäre, so müsste derselbe bei einem Blick auf die den Worten אין דורשין בעריות unmittelbar vorhergehende Mischna sofort verschwinden. Die letzte Mischna von Chagiga I schliesst nämlich mit den Worten: הדינין והעבודות הטהרות והטומאות ועדיות יש להן על מה שיסמכו הן הן גופי תורה, womit gesagt wird, dass die Be- Stimmungen über die verschiedenen Eälle von Incesten zu denjenigen traditionellen Gesetzen gehören, die in der Thora eine genügende Stütze haben und sich bis in’s Einzelne aus derselben ableiten lassen. Daran schliesst sich unmittelbar (אי דורשין בעריות an, womit die öffentliche Deduction der einzelnen Fälle von עריות aus dem Schriftworte untersagt wird, und zwar, wie wir weiter unten noch zeigen werden, wegen der Befürchtung, dass einige dieser Deductionen dennoch im Kreise der Zuhörer Widerspruch finden möchten und die Autorität der Verbote selbst darunter leiden könnte. Allein, fragt Herr B., warum sollte dieses Capitel im Lehrhause nicht öffentlich erörtert werden, und warum wurde andererseits beim Vortiag desselben in der Synagoge die so geringfügige Aenderung des Suffixes der zweiten Person in das der dritten Person so streng verboten? Darauf antworten wir Folgendes: Die Sittenverderbniss, die mit der Römerherrschaft in Judäa eingerissen war, muss nach den Klagen, die wir in der Mischna darüber vernehmen, um die Zeit, die dem hadrianisehen Kriege vorausging, erschreckende Dimensionen angenommen haben * 1). ebenfalls als verbotener Euphemismus (ככרי) bezeichnet wird, (ef. Rascki z. St.). Danach bedarf wohl die Erklärung, die B. (S. 113) für die Worte R. Josefs zu geben versucht, keiner weiteren Widerlegung. 1) Mischna Sota ix. 13. הזנות והכשפים כילו את הכל. Vergl. ferner den Bericht über den hadrianischen Krieg in Jerusch. Taanith IV, 5: ולמה חרב יש אומר מפני הזנות und weiter unten ומגדל צבעייא מפני הזנות• Für die ältere Zeit vergl. Mischna Soth. IX, 9-: משרבו המנאפים פםר.ו המים המרים; cf. Tos. das. XIV, 2.

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