Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Erklärung zweier Mischnastellen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2829132-2829668-2829671-2878784--26076-2878814- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
70 Zur Erklärung zweier Mischnastellen. Person oder Sache statt der eigentlichen eine uneigentliche Bezeichnung gebrauchen“. So ist 1 *המכנה שם רע לחבית) derjenige, der seinem N ebenmenschen einen boshaften Spitznamen beilegt und unter 2 כנויי בדדים) versteht man die mit uneigentlicher Bezeichnung ausgesprochenen Gelübde. Aus dieser Grundbedeutung hat sich sodann der Gebrauch dieses Yerbums als Terminus für die, meistens aus euphemistischen Gründen vorgenommene Aenderung eines Wortes oder eines Suffixes herausgebildefc, ein Gebrauch, der durch die bekannte Stelle im Sifre zu Numeri 10, 35 und Parallel stellen (אלא שכינה הכתוב), durch Tos. Megiiia iy, 39: כל המקראות הכתוכין לגנאי מ כני ן אותן לשבח כגון אשה תארש ואיש אהר ישגלנד. 4 ♦ 4 ככל מקום שכתוב ישגלנה קורין ישכבנה, durch b. Sehebuot 36 a: יתיב ההוא מרבנן קמיה דרב כהנא ויתיב וקאמר גם אל יתצך לנצח * 4 א״ל כנה (vergl. Raschi z. St.) und mehrere andere hinlänglich belegt ist. Demgemäss kann auch המכנה כעריות משתקין אותו nichts Anderes bedeuten, als ,,wer bei der Yorlesung der עריות aus euphemistischen Gründen ein Wort oder auch nur ein Suffix ändert, dem gebietet man Schweigen“. Das hat freilich nur einen Sinn, wenn man mit beiden Talmüden und allen Oommentatoren unter עריות Lev. c. XYIII und XX yersteht3). Denn in den Abschnitten, die B. darunter!) b. B. mez. 58b. 2) Misehna Red. 1, 1. 3) In Bezug auf Chagiga III, 1 genügt es, auf die Discussion im Jerusch. z. St. hinzuweisen. Es wird da zunächst festgestellt, dass die Bestimmung אין דורשי[ בעריות von R. Akiba hexrühren müsse, da von R. Ismael —- im Gegensatz zu dieser Bestimmung — Erörterungen über die die verschiedenen Eälle von Incesten betreffenden biblischen Yerbote (אוד,רות) vorhanden seien. Die Erage, welche von den beiden sich gegenüberstehenden Ansichten in der Praxis (לעובדא) zu gelten habe, wird sodann durch den Hinweis auf R. Ammi, der das genannte Thema gleich R. Ismael öffentlich behandelte, (vergl. b. Jebam. 21b.: ד״א מ״לתא מגבדא רבת שמיע לי ומכי ר׳ אמי לא אסרו כלת אלא מפני כלת), zu Gunsten des Letzteren entschieden. (Yergl. Eriedmann, Einleitung zu seiner Mechilta-Ausgabe, p. LXY). Daraus geht deutlich hervor, dass unter עריות nur Lev. c. XVIII u. XX verstanden wurden, sowie dass der uns im Sifre vorliegende Midrasch zu diesen beiden Capiteln aus der Schule R. IsmaePs stammt. Was ferner * * תמכנת בעריות ״ in Misehna Meg. IY, 10 betrifft, so ist es ebenso klar, dass die Worte R. Josefs in b. Meg. 25 a ללון אביו וקלון אמו (wofür im Jerusch. בערייתא דאבוי ובערייתא דאמיה) sich auf das erste ATajotverbot: ערות אביך וערות אמך לא תגלת (Lev. XYIII, 7) beziehen, und als Beispiel dienen sollen für die in der Misehna verbotene euphemistische Aenderung der zweiten Person in die dritte. (Cf. Amch compl. s. v. ככה). Allenfalls wäre noch die Annahme gestattet, dass die Setzung des Wortes ללון für ערות nach R. Josef