Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Erklärung zweier Mischnastellen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2829132-2829668-2829671-2878784--26074-2878812- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
68 Zar Erklärung zweier Mischnastellen. talmudischen Litteratur an, ans denen hervorgehen soll, dass in tannaitischen Kreisen allerdings die Neigung vorhanden war, die auf unkeusche Handlungen der Ahnen bezüglichen Berichte der heiligen Schrift der Kenntniss des Volkes zu entziehen. Sieht man sich aber jene Stellen genauer an, so muss man zu der Ueberzeugung gelangen, dass sie für den fraglichen Punkt absolut nichts beweisen. Denn wenn es in derBaraitha 1) heisst: והנפש אשר תעשה ביד רמה וה מנשה בן חוקיה שהי׳ יושב ודורש בהגדות של דופי אמר ובי לא הי׳ לו למשה לכתוב אלא ואחות לוטן תמנע ותמנע היתה פלגש לאליפו וכולו, so soll damit selbstverständlich nur die leichtfertige Verspottung, keineswegs aber die einfache Uebersetzung dieser Schriftstellen als Gotteslästerung gebrandmarkt werden* 2). Dasselbe gilt auch von j. Sota in, 19a: אשד, פרושה זו שהיא יושבת ומלעבת בדברי תורה ותאמר אלי תבא, wo schon das Wort ומלעבת zur Genüge beweist, worauf sich der Tadel bezieht. Die dritte Beweisstelle, auf die Herr Büchler, wie es scheint, am meisten Werth legt, ist eine im Pseudo-Jonathan und im jerusalemischen Targum fast gleichla utende Erweiterung' der Antwort der Söhne Jakob’s in Gen. XXXIV, 31. Danach sollen dieselben zu ihrem Vater gesagt haben: ,,Es geziemt nicht, dass in den Synagogen Israel’s und in den Lehrhäusern erzählt werde, dass Unheschnittene eine Jungfrau und Götzendiener die Tochter Jakob’s geschändet hätten. Vielmehr geziemt es, dass in den Synagogen Israelis und in seinen Lehrhäusern berichtet werde, dass Unbeschnittene getödtet werden wegen einer Jungfrau und Götzendiener, weil sie geschändet Dinah, die Tochter Jakob’s.“ Dazu bemerkt Büchler: ״Beide Targume besagen es unzweideutig,!) b. Sank. 99 b und Sifre zu Num. XV, 30. 2) B. scheint die Worte המגלה פנים בתורה im Sifre a. a. 0. als Bezeichnung* für Denjenigen auf zufassen, der verfängliche Stellen der h. Schrift enthüllt, d. h. öffentlich deutet (S. 116, Note 3). Der Ausdruck נילרי פכים bedeutet aber überall Schamlosigkeit, Frivolität. Vergl. b. Sota 42b גלית א״ר יוחנן שעמה בגילוי פכים לפני ה״רןב״ה; b. Erubin 69a מומר בגילוי פנים; Mech. Besch., מסבתא דעמלק, c. 1. ויבא עמלק שבא בגילוי פנים. Demgemäss bedeutet auch המגלה פנים בתורה sowohl an unserer Stelle m Sifre, wie auch in der Mischnah Abotk, III, 11, ״wer in Bezug auf die Thora frivole Ansichten äussert.“ Die Frivolität Manasse’s lag nach dier Auffassung des Sifre nicht darin, dass er die angegebenen Stellen u berhaupt vortrug, sondern vielmehr darin, dass er sie zur Herabsetzung ünd Verspottung des Gotteswortes missbrauchte, (vgl. Sifre a. a. 0. z. v. 31: ד״א כי (את) הבר ד/בזה זה המגלה פכים בתורה), was ja übrigens auch mit der Bezeichnung הגרות של רופי deutlich genug ausgedrückt ist.