Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Erklärung zweier Mischnastellen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 3)
- Language
- German
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Zur Erklärung zweier Mischnastellen. 65 nicht vor der Kühnheit zurück, Moses selbst, auf Grund von Hum. 11,21—22, einer tadelnswert!! en Schwäche zu zeihen1); eine Kühnheit, die seinen ihn sonst so hoch verehrenden Schüler K. Simon b. Jochai zu der ausdrücklichen Erklärung veranlasst, dass er in diesem Punkte mit seinem Lehrer nicht übereinstimme2). Dagegen handelte ein anderer Schüler R. Akiba’s, R. Jose b. Chalafta, offenbar im Sinne und Geiste seines Meisters, wenn er jener bibelkundigen Matrone, die an der von der heiligen Schrift bezeugten Tugendfestigkeit des jugendlichen Joseph zweifelte, die biblischen Berichte über die Vergehungen Ruben’s und Juda’s vorlas, um daran die überzeugende Polgerung zu knüpfen, dass, wenn eine Schuld Joseph’s vorgelegen hätte, die heilige Schrift dieselbe sicherlich ebensowenig verschwiegen oder beschönigt haben würde, wie die seiner älteren Brüder3). Ton R. Akiba kann also jenes Uebersetzungsverbot im Sinne Büchler’s nicht herrühren. Koch weniger von R. Ismned, der ja der Urheber jener in Megüla verpönten Deutung von Lev. XYIII, 21 sein soll. Die betreffende Verordnung kann aber nach unserem Dafürhalten überhaupt nicht aus den von Büchler angegebenen Gründen erlassen worden sein. Denn welchen Erfolg hätte man sich davon versprechen können? Wenn es zu jener Zeit, wie thatsächlich historisch feststeht, viele Personen gab, die darauf ausgingen, ״im Bibeltexte Widersprüche aufzudecken und die Mängel biblischer Personen zu enthüllen“, konnten die leitenden Männer wirklich auf den naiven Gedanken kommen, dieser Gefahr durch das Todtsehweigen der verfänglichen Stellen entgegen wirken zu wollen? Hätte eine solche Yogel- Strauss- Politik den bibelkundigen Heiden und Gnostikern nicht einfach lächerlich erscheinen und ihre Angriffe nur noch wirksamer und gefährlicher machen müssen? Wenn ferner, wie Büchler — mit dem üblichen d'SS דייך zurechtweist, und bemerkt hierauf, dass vielleicht auch die beiden agadischen Aussprüche in b. Sanhedr. 94 b, in denen Moses und Chiskia getadelt werden — wo aber, wie gesagt, R. Akiba gar nicht erwähnt wird — nicht, wie dort angegeben ist, von R. Papias, sondern von dem Agadisten Pappos herrühren. Ist diese Vermuthung, wie wir anzunehmen geneigt sind, richtig, so haben wir in dem Schweigen R. Akiba7s gerade an dieser Stelle, wo es sich um die Ehre ausgezeichneter biblischer Personen handelt, einen Beweis mehr dafür, dass R. Akiba es durchaus nicht für geboten hielt, thatsächliche menschliche Schwächen der Ahnen zu verschweigen. 1) Tos. Sota, ed. Zuckermandl, YI, 7 2) Daselbst, Absatz 6. 3) Ber. r., c. 87. Monatsschrift. 39. Jahrgang־. (3ch 5