Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die biblische Völkertafel im Talmud, Midrasch und Targum
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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50 Die biblische Yölkertafel iin Talmud, Midrasch und Targum. wurde diese Deutung wahrscheinlich durch den Gleichlaut von ״Aschkenas“ mit dem Flusse Askanus im kleinasiatischen Mysien, welches Gebiet in der Römerzeit bekanntlich Asia proconsulaiis hiess1). Führt uns schon dieser Umstand auf die richtige Spur, dass das אסיא der jüdischen Quellen Asia proconsularis ist, so wird diese Behauptung zur völligen Gewissheit durch die Erwägung, dass die traditionelle Auslegung, wie bereits hervorgehoben, von griechisch-römischen Yerhältnissen ausgeht und stets auf der officiellen Nomenclatur fusst. Hierzu kommt noch, dass im Neuen Testament unter 5Aata immer Asia proconsularis gemeint ist2), so z. B. Act. 2, 9. 10: IIövtov ׳xal ׳rijv 5Aacav, xe %cC1 ila^oXiav; ebenda 6, 9: a7zb KiAwaas xal Aatas; ebenda 16, 6: ,Aoia neben Phrygien und Galatien. Eine der Hauptschwierigkeiten nun, die sich an das Wort אסיא knüpfen, besteht darin, dass oft von einem אסיא die Bede ist, welches an der Grenze Palästinas lag3). So in Genes, r. cap. 44, 23, wo gesagt wird, dass קרוי ,קיר und קדמוני (Genes. 13, 19) erst im messianischen Zeitalter Israel gehören werden, und zwar sind diese Länder nach R. Schimeon ben Jochai דרמוסקום ואסייא ואספמייא, welche demnach an der Nordgrenze Palästinas liegen müssen. Dies trifft nun in Bezug auf Damascus und Apamea4) allerdings5) zu. Wie verhält es sich aber mit אסיא? Soll ganz Asien oder Klein-Asien gemeint sein, während doch Damascus und Apamea nur Städte sind, oder wäre die Provinz Asia gemeint, welche doch selbst die lebhafteste Phantasie nicht als zu Palästina gehörig ansehen kann? Folglieh, so schliesst man, muss es im Norden Palästinas eine Stadt oder Provinz Asia gegeben haben. Der Schluss mag logisch richtig sein; sachlich ist er es nicht, weil eine agadische Stelle nicht nach den Gesetzen der Logik, sondern nach denen der Philologie interpretirt werden muss. Dieselben drei Völkernamen werden jedoch in Genesis rabba und auch in j. Schebiith *) Rapoport a. a. 0.; Genaueres über die Askanier in Klein-Asien s. bei Dillmann, Genes.5, S. 172. 2) Ebenfalls Rapoport’s Bemerkung. 3) Weshalb z. B. Kobu 11, 179a wie folgt schreibt: אס״א עיר בתחומת א״י בצד צפונה מזרחית, eine Auffassung, die dann zu allerlei abenteuerlichen Behauptungen führt. 4) Es ist hier nicht der Ort, zu erweisen, dass unter אספמיא die syrische Stadt Apamea zu verstehen ist. 5) Freilich nur in einem beschränkten Sinne, denn auch diese liegen weit entfernt von der Grenze Palästinas.