Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Zunz'sche Bibel
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 512 (sequence 9)
- Language
- German
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512 Die Zunz’sche Bibel. 7. In Einem Punkte aber haben die gelehrten XJebersetzer die Macht der Gewohnheit unterschätzt. Sie haben die biblisehen Namen streng richtig nach den im Hebräischen yoi״־ liegenden Lauten wiedergegeben. Da sie nämlich diese Bibel zum Gebrauche für ihre Glaubensgenossen übersetzten, so glaubten sie nicht ohne Grund, die Namen unbedenklich richtig schreiben zu dürfen und die aus den griechischen und lateini״ sehen Versionen herrührenden und durch Luthers Bibel in Umlauf gesetzten fehlerhaften, theilweise bis zur Unkenntlich״־ keit entstellten Namen in einer streng wissenschaftlichen Uebersetzung nicht nachschreiben zu dürfen. Indessen fand diese Schreibung und Aussprache selbst unter den Juden eine dauernde Nachahmung nicht; auch in wissenschaftlichen und pädagogischen Schriften verblieben jüdische Schriftsteller bei der üblichen Form, bis auf eine Anzahl von Namen, deren Entstellung im Yerhältniss zu der klar vorschwebenden hebräisehen Form als zu arg empfunden wurde, und bei denen ein Jeder nach Belieben mehr oder weniger sich dem richtigen hebräischen Wortlaute annäherte. Schule und Leben erwiesen sich hierbei mächtiger als das bessere Wissen. Glücklicherweise ist der Gegenstand unerheblich und bringt die Beibehaltung der üblichen Schreibung keinerlei Schaden. Mit Bunsenj) aber die textgemässe Aussprache der hebräischen Namen als ״Judendeutsch‘4 zu bezeichnen, ist, abgesehen von der Geschmacklosigkeit und Niedrigkeit des Ausdrucks, schon deshalb falsch und gedankenlos, weil die Gelehrten, die diese Bibel übersetzt haben, eben nicht die deutsche, d. h. falsche, sondern die richtige hebräische Aussprache der biblischen Namen ihren Glaubensgenossen gegenüber angewendet haben, hierbei also weder von einem angeblich jüdischen noch von einem andern Deutsch vernünftigerweise zu sprechen wrar- Bunsen giebt an derselben Stelle zu verstehen, dass auch sonst die Sprache der Zunz’schen Bibel ein ״Judendeutsch‘6 wäre, bleibt aber für diese vage Behauptung jeden Beweis schuldig. Es wäre ihm in der That schwer geworden, auch nur ein einziges Beispiel für ein schlechtes Deutsch anzuführen. Die ganze, mit Süssigkeiten für Zunz und die ״jüdischen Gelehrten‘6 untermischte hämische und judenfeindliche Stelle weiss gegen die Zunz’sche Bibel, ausser der richtigen Schreibung der Namen, nur das Eine tadelnd anzuführen, dass sie der Massorah folge, was Bunsen natürlich nur aus dem Titelblatt und dem *) Vorerinnerungen zu seinen! Bibelwerke S. XVII.