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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 11 · p. Seite 511

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
38 (1893-1894)
Issue
Heft 11
Article
Die Zunz'sche Bibel
Date
1894-01-01
Page
Seite 511 (sequence 8)
Language
German
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Die Zunz’sche Bibel. 511 Hebräisch, als ihnen gerade nöthig war, dafür aber viel zu wenig Deutsch verstanden, wenn es galt, schwierige Stellen des Textes zu übersetzen, ergänzten ihre bedenklichen Lücken aus dem reichen und gediegenen Sprachschätze dieser Bibel. Auch die Gelehrten zogen sie gern zu Rathe; manche thaten es aus falscher Scham ganz im Stillen; alle nicht ohne Nutzen. Das schweigend und mit üblichem Undank Entlehnte wurde zwar mit den bekannten Mitteln verdeckt, aber nicht hin״ reichend, unr dem Eingeweihten zu entgehen. Nach und nach brachen die Yorzüge dieses Buches ihm eine breite Bahn der Wirksamkeit, des Ansehens und der Geltung. 6. Zu dem bezeichneten günstigen Erfolge hatte Zunz . wesentlich beigetragen. Wie oben bereits bemerkt worden ist, übte er seine redactionelle Thätigkeit mit seltener Umsicht und Gewandtheit, mit unverdrossener Anstrengung, mit der bei ihm auch sonst bekannten Gewissenhaftigkeit. Das Vorwort der Zunz’schen Bibel deutet in Kürze die Erleichterung an, die dem Benutzer derselben für sein Studium des Hebräischen durch die fast überall durchgeführte Gleichheit des deutschen Ausdrucks für dasselbe gleichbedeutende hebräische Wort an den verschiedenen Stellen und bei den verschiedenen Uebersetzern bereitet worden ist. Wer einige Erfahrung in solchen Dingen hat, wird wissen, dass zuweilen erhebliche Schwierig״ keiten dabei zu überwinden sind, denen nur ein so feiner Kenner der deutschen Sprache wie Zunz gewachsen sein konnte. Auch sachliche Differenzen in der Auffassung entsprechender Stellen waren auszugleichen und schroffe Formen des Ausdrucks nicht selten zu mildern. Mit welcher Besonnenheit Zunz tiefgewurzelte Gewohnheiten zu schonen verstand, zeigt ein Beispiel, das der verewigte Sachs mir mitgetheilt hat. Als derselbe die Arnheim’sche Uebersetzung der Genesis zur Durchsicht erhielt, wie alle Uebersetzungen bei den Mitarbeitern circulirten, wünschte Sachs, dass 1 Mos. 1, 1 im Deutschen die Fassung erhalte: ,,Früher schuf Gott den Himmel und die Erde“, um so den nach seiner Auffassung richtigen Sinn mit grösserer Bestimmtheit auszudrücken und den mancherlei Fragen und Deutungen, die der ״Anfang“ an dieser Stelle hervorgerufen hatte, vorzubeugen. Zunz war sachlich mit der vor geschlagenen Uebersetzung einverstanden, lehnte dieselbe jedoch ab, weil man, wie er sagte, nicht sogleich beim ersten Worte die Leser und Benutzer abstossen und gegen die vermeintlichen Neuerungen dieser Bibel misstrauisch machen dürfe.

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