Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Zunz'sche Bibel
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 510 (sequence 7)
- Language
- German
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510 Die Zunz’sche Bibel. stellte, die an zutreffender Schärfe und Bestimmtheit, an markiger Kraft, an Treue und Wörtlichkeit nicht leicht ihres Gleichen fand. Die Sprache war ungesucht und frei von hinein־ getragenen Zierrathen, aber dabei dennoch gefällig und klar, ja stellenweise schön und elegant, wofern auch dies dem genialen Sprachmeister sich von selbst und ungezwungen darbot. Vor Allem jedoch war seine Uebersetzung, soweit der deutsche Sprachgebrauch es gestattete, eine den Geist des hebräischen Originals wiederspiegelnde Fachbildung oder, sagen wir, eine Art von Durchzeichnung des althebräischen Sprachbildes. Gleicher Treue befleissigte sich mit glänzendem Erfolge der mit Sachs gleichstrebende andere Hauptübersetzer Arnheim. Seine strenge Wörtlichkeit blieb stets lesbar und dem Geiste des Urtextes sachlich treu. Der verhältnissmässig geringe Rest aber, den Zunz selbst und Ehrst zu übersetzen übernahmen, war nicht schwer in gleichem Tone und Geiste zu halten. 5. Der genannte Umstand trug besonders dazu bei, um die Brauchbarkeit und Verbreitung der neuen Bibel zu erhöhen. Wenn die Fortschritte im Verständnisse des Bibeltextes und die Vortrefflichkeit der Sprache ihr die Sachkundigen und Urteilsfähigen gewann, so machte ihre treue Wörtlichkeit und das Durchscheinen des hebräischen Grundtextes sie als Hülfs־ mittel zur Erlernung des Hebräischen überaus willkommen und erwünscht. Für Schule und Haus war sie das, was andere deutsche Bibeln auch waren, ein Mittel, die heilige Schrift aus eigener Lesung kennen zu lernen, an ihr sich zu erheben, durch sie die Geschichte Israels, die religiösen Wahrheiten und Vorschriften, sowie die Ethik des Judenthums an der Quelle zu lernen und anzuschauen. Diese Bibel war also geeignet, den jüdischen Frauen und Jungfrauen und allen denen, welche des Hebräischen unkundig waren und blieben, die Bibel in der Ursprache so weit als möglich zu ersetzen. Fach dem besonderen Charakter aber, der dieser Bibel innewohnte, war sie berufen und bestimmt, mehr za leisten: sie sollte die hebräische Bibel nicht entbehrlich, sie sollte sie verstandlieh und zugänglich machen. Selbst der Anfänger fand sich in ihr zurecht; es wurde ihm nicht schwer, für den hebräischen Ausdruck jedesmal den entsprechenden deutschen, in dieser wortgetreuen Bibel zu erkennen. Alle auf das Selbst- Studium Angewiesenen waren glücklich, ein so vortreffliches und leicht erreichbares Hilfsmittel zum Verständniss des biblisehen Textes endlich gefunden zu haben. Die Jugendlehrer unter unseren Glaubensgenossen, die damals noch etwas mehr