Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Zunz'sche Bibel
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 507 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829654-2829666-2878653--25904-2878693- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Zunz’sche Bibel. 507 ־seinen ,,gottesdienstlichen Vorträgen“ bis aufs Einzelne und Kleinste vertraut. Auch kam seine besondere Begabung für Mathematisches der werthvollen Zeittafel zu gute, die er als willkommene Zuthat seiner Bibel beifügte. Das Beste war aber auch von den Männern zu erwarten, welche die eigentliche Arbeit des Uebersetzens auf sich nahmen. Sie hatten bereits auf exegetischem oder Sprachwissenschaft״ lichem Gebiete die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich als selbstständige Forscher vortheilhaft gelenkt. Dr. Michael Sachs (1808—1864), nachmals als Prediger gefeiert, als vergleichender Sprachforscher berühmt, als Uebersetzer der. gottesdienstlichen Poesien bewundert, hatte die Erstlingsfrucht seiner wissenschaftlichen Arbeiten kurze Zeit vorher veröffentlicht. Es waren ,,die Psalmen, übersetzt und erläutert“, welche in Berlin bei Veit & Comp. 1835 erschienen waren. Sachs hatte diese Arbeit Friedrich Rückert, dem Uebersetzer eines Theiles der Prophetenbücher, gewidmet, dessen orginelle Uebersetzungsweise seine höchste Bewunderung und erfolgreiche Nacheiferung hervorgerufen hatte. Es zeigte sich, dass die Sprache Sachs wunderbar zur Verfügung stand, und dass* er seinem Vorbild an Kraft und Kühnheit ebenbürtig war. M.uthig übersprang er, nicht ohne lohnende Wirkung, ״nicht selten die Grenzen der üblichen Form, ging auch in jugendlichem Feuer mit den früheren Bearbeitern der Psalmen sehr scharf ins Gericht und schaffte so seinem Buche ein Heer still grollender Gegner. Aber es fand einen unbefangenen und gerechten Beurtheiler in Zunz1). Derselbe liess den entschiedenen Vorzügen und den bleibenden Verdiensten der bedeutenden und geistvollen Arbeit volle Gerechtigkeil widerfahren, verschwieg seine Bedenken gegen eine zu weit gehende Kühnheit des Ausdrucks und Schroffheit des Auftretens nicht, sprach aber die Hoffnung aus, es werde Sachs leicht gelingen, ohne seine Originalität zu opfern, für seine TJebersetzungskunst durch mässigende Umgestaltung des angeschlagenen Tones einen weiteren Kreis von Lesern zu gewinnen. Die Worte spielen anscheinend schon auf die nahe bevorstehende Verwirklichung an. Sehr bald sollte die Psalmen- Übersetzung׳ in verbesserter Gestalt neben vielen anderen, von Sachs übertragenen biblischen Büchern in der geplanten deutschen Bibel für Israeliten erscheinen. ג) Gesammelte Schriften III, S. 116—121, abgedruokt aus Geigers Wissensch. Zeitschrift Bd. II (1836), S. 499 ff.