Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Familie Zunz
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 482 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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482 Die Familie Zunz. her gekommen ist! Und da wird sich die überraschende ־and doch so natürliche Wahrnehmung uns aufdrängen, dass die Höhenpunkte geistigen Lebens, die Schöpfer der neuen jüdisehen Wissenschaft, an den Endpunkten jener Wege zu finden sind, auf denen das jüdische Wissen sich bewegt hat oder, um ohne Bild zu reden, dass die Familien, in denen seit Jahrhunderten jüdisches Leben und Wissen gehegt und gewartet wurde, die Männer hervorgebracht haben, von denen das neue Licht, die Schöpfung einer Wissenschaft des Judenthums, sich herschreibt. Es ist kein Zufall, dass aus den Geschlechtern der Bapoport, Krochmal, Luzzatto, Frankel, um nur einige zu nennen, die Pfadfinder und Baumeister hervorgegangen sind, die das jüdische Wissen zur jüdischen Wissenschaft emporgestaltet haben. Auch Leopold Zunz ist nicht länger der erratische Block, den wir anstarren, ohne zu ahnen, wer die Kräfte sein mögen, die ihn an seine Stelle gebracht haben. Es ist noch möglich, die Abfolge der Geschlechter an der Arbeit zu sehen, die ihn zu seiner Höhe emporgetragen hat. Wohl ist es wahr, dass der Genius seinen Adelsbrief in sich selber trägt, was nur so viel sagt, als dass unbedingt eine Kette von Generationen die Pfunde gesammelt haben muss, die man Talente nennt, wenn solch eine Offenbarung geistiger Kraft und Macht in einem Endgliede zu Tage tritt, aber wir brauchen bei Zunz nicht länger nur vermuthungsweise seine Abstammung aus einer Beihe solcher Pfleger jüdischen Geistes anzunehmen, wir verfügen, wenn auch nicht lückenlos, noch über die IJrkünden, die uns diesen leitenden Zusammenhang vor Augen führen. In die Judengasse von Frankfurt am Main, in die so Vieles zurückleitet, was im jüdischen Leben der. neueren Zeit ist gross und herrlich gewesen, führt uns auch der Ursprung des Geschlechtes zurück, dessen ganze Bahn dadurch beglänzt wird, dass Leopold Zunz an ihrem Ausgange steht. Bis an’s Ende des 15. Jahrhunderts gelangen wir durch jenen Naftali Zunz, den wir als den Vater des 1586 als verdienstvoller und gefeierter Vorsteher der Gemeinde Frankfurt verstorbenen Jechiel Michel Zunz, den eigentlichen Stammvater der Familie Zunz kennen lernen. Den Vater überragten die Söhne, Naftali Hirz, der 1626, und Jehuda Liwa, der 1632 verstarb, Beide rabbinisch gelehrt und im Vorstande der Gemeinde wirkend, durch Wissen und Wohlstand ausgezeichnet und durch die ehelichen Verbindungen ihrer Kinder das An-