Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Familie Zunz
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 483 (sequence 3)
- Language
- German
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483 Die Familie Zunz. sehen ihrer Familie steigernd. Ein Sohn Naftali’s war der als Rabbiner von Holleschau lind Pintschow auch *in der Litteratur־ fortlebende R. Lob Zunz. An Männern, die in talmudischer Gelehrsamkeit über das Mitfcelmaass ihrer ׳*Zeit ansehnlich hervorragten, hat es dem bald unübersehbar verzweigten Geschlechte niemals * gefehlt. Auch dem Rabbinate von Frankfurt haben Mitglieder dieser Familie angehört, wie der 1775 verstorbene Beisitzer R. Anschel Zunz, der im Streit in Betreff des von R. Israel Lipschütz, dem Rabbiner von Cleve, ausgefertigten Scheidebriefes1) wiederholt genannt wird. Ton. der Ausbreitung der Familie in Frankfurt am Main, deren Grabschriften ich hier auf Grund des gesammten alten Epitaphienmaterials dieser Gemeinde vorlege, zeugen die Häuser, die in ihrem Besitze gewesen sind und häufig nach der Sitte der Zeit die Hamen ihrer Schilde auf die Bewohner übergehen Hessen. So finden wir im Besitze einzelner Mitglieder der Familie nach der ausdrücklichen Heberlieferung ihrer Grabsteine, die Häuser, die wir aus Schudt’s Aufzählung (Jüdische Merck Würdigkeiten III, 151 ff., 195 ff.) noch mit ihrer richtigen und im Munde der Gasse lebenden Bezeichnung wiedergeben können: Leiter, Schuch, Hollerbaum, Schloss, Rothschild, Blum, Silber Cron, Gulden Hahn, Aff, Ganss, Bund Kirsch und, wenn ich die hebräische Umschrift richtig deute, Zur silbern Leicht und Zum Pfadrain. Die Familien, in die wir die Töchter aus dem Hause Zunz eintreten sehen, tragen die besten Namen der Frankfurter Judengasse. Die 1694 verstorbene Rebekka, die Tochter Moses5 Zunz, heirathet Jakob, den Sohn des Schwiegersohnes Elia del Medigo’s, des Arztes Salrnan zur Blume2). Die Häuser Fulda, Schloss, Oppenheim, Gomperz oder, was dasselbe ist, Emmerich, Mainz, Rothschild, Scheier, Schiff. Teornim, um nur einige hervorzuheben, ‘waren durch verwandtschaftliche Bande mit der Familie Zunz mannigfach verknüpft. In diese nachweislich seit drei Jahrhunderten in Frankfurt erbgesessene und vielverbreitete Familie leitet uns auch Leopold Zunz zurück. Ob er selbst .von diesem Zusammenhange Kunde gehabt hat? Eine Aufzeichnung von seiner eigenen Hand in seinem handschriftlichen ״das Buch Zünz“, die mir Herr Rabb. Dr. S. May bäum mitgetheilt hat, giebt uns die Antwort auf diese Frage: *) אור הישר f. 5a u. f. 27a; vgl. Horovitz, Frankfurter Rabbinen. 3, 73 ff. 2) S. Horovitz in Berliner’s Magazin 10, 115. 31*