Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Die Tossafisten als Methodologen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Tossaflsten als Methodologen. 351 § 30. In gleicher Weise ist die Annahme, dass eine spätere Mi sch na eine frühere erkläre, bei entfernteren Mischnajoth nur dann zulässig, wenn die spätere ausführlicher ist als die zu erklärende■1). § 31. Die Gemara nimmt nur dann an, dass der zweite Fall der Mischna zur Erklärung des ersten gegeben ist, ־wenn diese Erklärung ein neues, nicht selbstverständliches Moment enthält 2). § 32. Wenn die Gemara eine scheinbar überflüssige Wiederholung in einem Schriftverse, einer Mischna oder Bor aitha, ja selbst in den Aussprüchen von Amoraim als nothwendig erklärt, weil jeder Passus etwas Neues enthalte, dann begnügt sie sich nicht damit, dieses bei dem angegriffenen Stücke nachzuweisen, sondern sie bemüht sich, die ganze Mischna, Boraitha u. s. w. zu erklären 3). § 33. Normen, welche die Mischna in dem Tractate, dem sie ihrem Inhalte nach angehören, in allgemeiner Sentenzform mittheilt, nennt die Gemara selbst dann ״abgeschlossene Haiachot, — הלכתא פסיקתא —u wenn sich eine nachmischnische Opposition dagegen erhoben hat, welche sie ihrer normgehenden Bedeutung beraubt4). § 34. Selbst diejenigen Amoraim, welche die Conformität der einzeinen FäIle der Mischna in Beziehung des Autors der in den zu Grunde liegenden Ursachen vorziehen (|מא דלא מוקים לי' כתנאי), nehmen doch niemals eine Emendirung des Mischnatextes vor, um die erwünschte UebereinStimmung herzustellen, sondern wo solche scheinbare Aenderungen in der Gemara eingeführt werden durch ״lies in der Mischna wie folgt (ץתני וכר£, da lagen bereits zwei verschiedene Lesarten in der Mischna vor5). § 35. Die Gemara bemüht sich, die Mischna stets in Einklang zu setzen mit der als Norm angenommenen Meinung eines Autors3). § 3(1. Die Gemara erklärt oft die in der Mischna zur Meinung eines Autors gegebene Begründung für einen nur 1) Bah. k. 14 b. אלא. 2) Gittin 42 a. מאי. 3) Sabb. 8 b. ואי, Ket. 71a. אי, Cbull. 36 b. ואי, Seb. 17 a ,TWl und Sanh. 83 b. וטבול. S. dagegen Jeb. 23 a. ואי. 4) Kid. 66 b. בל, Bab. k. 102 a. גבי, Bab. m. 77 b. רב, Ab. Sara, 7 a. משום, Men. 56 a. זכור, vergl. § 26. 5) Sabb. 86 a. 8 חני. Easchi z. St. vergl § 41 f. G) Sabb. 37 a. לעולם, selbst wenn sie dadurch, genöthigt wird, die Mischna gezwungen zu erklären.