Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Folgen des österreichischen Erbfolgekrieges für die Juden Kremsiers
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 326 (sequence 4)
- Language
- German
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326 Die Folgen des Österreichischen förbfolgekrieges. 4ber auch aut' entgegengesetzter Seite waren hartherzige Rathgeber nicht unthätig, bestärkten die Kaiserin in ihrem finstern Argwohne, indem sie ihr das Vorbild des Kaisers Leopold I. als n ächz nahmen des Beispiel vorhielten. Die niedrige Denkungsart siegte über die edle, humane Gesinnung; das Unrecht gewann die Oberhand über die Billigkeit. Vergebens erhoben hocherzige Menschenfreunde ihre warnende Stimme gegen eine solche Verfügung, durch welche die Kaiserin mit ewigen Vorwürfen ihr Gewissen belasten würde. Fruchtlos waren die Bemühungen aller Bevollmächtigten der Generalstaaten um die Rechtssache der Verstossenen, Die 1111־ erbittliche Kaiserin wies jede fremde Einmischung in ihre innern Angelegenheiten beharrlich zurück und erliess am 8. April 1745 ein zweites, verschärftes Decret an das königliehe Tribunal in Mähren ״dass die Juden der Markgrafschaft sich, bis Ende Juni zur Auswanderung bereit machen und in keinem der kaiserlichen Erblande, insbesondere nicht in Ungarn, sich niederlassen sollten.“ Run erst, angesichts des Ernstes der über die Juden herein brechenden Katastrophe, rafften sich auch die inländischen, massgebenden Factoren zu energischem Handeln auf, um vereint mit allen Vertretern der auswärtigen Mächte, (Holland, England, Polen, Türkei) ja selbst mit den. höchsten kirchlichen Würdenträgem in Rom, die Kaiserin von ihrem Vorhaben abzubringen. Am eifrigsten wirkte für die Zurücknahme des Ausweisungsdecrets der Anwalt Burmania, welcher in einer Besprechung mit dem Reichskanzler der Kaiserin die Aeusserung that (13. April), dass Souveräne mehr als Andere für ihre Thaten vor Gott und Menschen verantwortlich seien. Koch bevor er die Weisung der Hochmögenden vom 7. Mai 1745 erhielt, ״mit der Beobachtung der gehörigen Zurückhaltung und Discretion sich für die Juden einzusetzen,“ eine Reserve, die man hei seinem freimüthigen Wesen ihm zu empfehlen für nöthig fand, war er in ihren! Sinne thätig, die Kaiserin zur Aenderung ihres Entschlusses zu bewegen. Die rege, allgemeine Theilnahme an dem harten Lose der bedrängten Juden musste nun endlich ihr Mitleid, das mannhafte Eintreten bewährter Patrioten für die Unglücklichen ihren Zweifel an der Glaubwürdigkeit der angeblichen, triftigen Ursachen zur Austreibung erwecken. Den lebhaften Gegen- Vorstellungen der böhmischen und mährischen Behörden, welche einstimmig, günstige Gutachten für die Juden abgaben, den dringenden Bitten des edlen, ־wohlwollenden Grafen