Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Das zweite Martyrium von Neuss
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 320 (sequence 3)
- Language
- German
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320 Das zweite Martyrium von Neuss. Während der Kaiser noch in Italien weilte, kam es in Sp.eyer•1 2) zu Mord und Brand gegen die Juden, weil in der Stadt die Leiche eines erschlagenen Weibes gefunden worden war. Sieben. Tage später wiederholten sich in Boppard־) die Gräuelsccneu. Zwar rächte des Kaisers Bruder, Herzog Otto, die den Juden, angethano Unbill ־und hielt der Kaiser selber nach seiner Rückkehr über die Mörder ein strenges Strafgericht. Kaum aber war der Kaiser abermals über die Alpen gezogen, als im Winter 1198 in Worms und im Frühjahr 1197 in Neuss sich neue Unthaten ereigneten. In Worms überfielen die Kreuzritter am Freitag, 15. November 1196 3), den weitfremden Gelehrten E. Eleasar b. Jehuda, der nur in seinen frommen Büchern lebte, und erschlugen ihm sein edles Weib, das mit rührender Aufopferung die ganze Familie ernährte, seine beiden Töchter, seinen einzigen Sohn und. dessen Hauslehrer4), sowie seine lernenden Jünger, verwundeten ihn selbst zum Tode und Hessen dem. Armen nichts als das nackte Leben. Einige Wochen später5) stürzte sich ein wahnsinniger Jude in Neuss auf offener Strasse auf ein christliches Mädchen und tödtete es. Sofort rotteten sich die Christen, zusammen und erschlugen den Mörder und sechs seiner Glaubensgenossen und plünderten ihre Häuser. Die Leichen wurden aufs Rad geflochten und durften nicht bestattet werden. Fünf Tage später, an einem Sabbatb, fing man die Mutter des "Wahnsinnigen und deren Bruder. Da sie sieb, weigerten, durch die Taufe ihr Leben zu retten, wurde die Mutter lebendig begraben, ihr Bruder aufs Rad gewie Aronius (heg. 337) mit Beeilt bemerkt, zu berichtigen. An letzterer Stelle hätte auf ,ראב״יר, ed. Dembitzer, fol. 67a und Gross (M. S. XXXIV, 368) bin gewiesen werden müssen. 1) Quellen II, 74 f. 2) Das. S. 75. 3) TJnd nicht 26. Novbr., wie Aronius (Heg. 340) fälschlich hat. Ein Jahr früher war der 22. Kislew am 26. Novbr. Ygl. Beg. 375 und 376, wo sich der gleiche Dehler wiederholt. Da nach Zunzens trefllieber Bemerkung (Zur Gesell., S. 182) von Kreuzfahrern die Bede ist und es solche am Ende der Jahre 1189, 1192, 1213 oder gar 11R0 (vgl. Hist. litt, de la France XXVII, 465) in Worms kaum gegeben bat, so ist wohl mit Blogg (בכין שלמה, S. 135), Graetz (VI, 275), Neuhauer (Hist. litt. a. a. 0.) und Aronius (Beg. a. a. 0.) gegen Landshutli (onorn., S. 25), Zunz (LG., S. 317. Monatstage, S. 63) und Michael (אור החיים, No. 478) an der Jahreszahl 1196 festzuhalten. l) Von einem solchen (מלמד), wie bereits Blogg richtig wiedergiebt, und nicht etwa von dem Lehrer des ״Bokeach“, wie Aronius a. a. 0. fälschlich verstanden zu haben scheint, ist die Bede. 5) Die Begründung dieser Ansetzung s. weiter unten.