Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zur Geschichte der Targumim nach talmudischen Quellen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 14)
- Language
- German
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302 Zur Geschichte der Targ'umini nach talmudisclien Quellen. rechnet werden, ־und ein Beweis dafür sein, dass durch das Propheten-Targuni rückwirkend die Anzahl der Originale geändert worden ist. X. Als Ergebniss ist ermittelt, dass aramäische Targumim im ersten Jahrhundert verfasst und eingeführt worden sind (Abschnitt III); für die Abfassung des Targums zu den Propheten ist annähernd das Jahr 20 (Abschnitt IV), für das Pentateuch-Targum des Onkelos das Jahr 80 (Abschnitt VI) gefunden worden. Erwiesen ist ferner, dass gegen die Mitte des zweiten Jahrhunderts dieses älteste aramäische Schriftthum vorsätzlich in seiner Entwickelung gestört worden ist (Abschnitt III). In der darauf folgenden Epoche hat dann die targumistische Lalteratur, wie sich von selbst ergiebt, keinerlei Fortbildung erfahren. Die beliebte Theorie von der Entwickelung des aramäischen Targums durch die Schule 1P Akiba’s muss daher als hinfällig bezeichnet werden, da die Schüler E’ Akiba’s die Zeitgenossen IP Simon’s b’ Gamliel II waren und dessen Beschlüsse gegen die aramäischen Schriftwerke theils genehmigt, theils sogar noch verschärft haben, wie dies von B5 Jose und E’ Jehuda nachgewiesen ist (Abschnitt II). Nun wäre allerdings auch in dieser Periode die Möglichkeit für eine litterarische Thätigkeit dadurch gegeben, dass der freie Vortrag aus der Schriftrolle durch die auswendig vovgetragene Uehersetzung ergänzt worden ist, wodurch immerhin ein Bedürfniss nach solchen Targumwerken entstanden sein könnte, die eine wortgetreue kurzgefasste Uebertragung dargeboten hätten. Bei einer solchen Annahme muss jedoch sofort das Pentateuch-Targum ausgeschieden werden, das seiner ganzen Anlage nach eben diesen Ansprüchen genügte. Nur das Propheten-Targum hätte zu diesem Zwecke einer Eeform unterzogen werden müssen. Allein gerade hierbei ,wurde, wie (Abschnitt TI) nachgewiesen ist, eine genaue Wiedergabe gar nicht verlangt, und da Spuren einer solchen Umgestaltung nicht naclvweisfaar sind, so stellt sich die Zeit nach BSbG als eine Periode der völligen Erstarrung der aramäischen Litteratur dar, in der die vorhandenen Schriftwerke der alten Zeit auf das Schärfste angefeindet wurden. Die neuere Forschung hat aus dem Dialekt sowie aus der Verwerthung der Tradition in den Targumim auf die Verfasser derselben, ihre Zeit und den Ort ihrer Entstehung sichere