Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zur Geschichte der Targumim nach talmudischen Quellen
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 10)
- Language
- German
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298 Zur Geschichte der Targumim nach talmudischen Quellen. In der ältesten Zeit waren demnach die Ketubim ohne aramäisches Targum geblieben, weil die vorwaltenden Bedenken gegen die weitere Entwickelung der aramäischen liebersetzuügsllteratur die dazu berufenen Kreise gehindert haben, derartige neue Arbeiten herzustellen, und die vonUnb ernten en unternommenen Versuche erfuhren eben darum eine schroffe Zurückweisung. Im älteren jüdischen Schriftthum werden daher aramäische Targumim zu den Ketubim nicht erwähnt. Kur vom Buche Esther müssen, wie sich aus der Mischna ergiebt, schriftliche Targumim vorhanden gewesen sein (Weiss, Dor Bor we־Dorschaw, II, S. 138). Im Tractat Megillah (II, 1) wird nämlich verboten, auswendig aus einem hebräischen Original zu übersetzen, während die Vorlesung aus einem schriftlich abgefassten Targum für die Kenner dieser Sprachen gestattet wird. Der Text der steile Megiiia 21B: כהלל ובמגלה אפילו עשרה ועשרה מתרגמין pp, wobei sich das מתרגמין nur auf מגלח bezieht, ist demnach (gegen Raschi) als intact anzuerkennen. Die in den Tossafotb zur Stelle geäusserte Ansicht, dass ein Ketubim-Targum in der Epoche der Tannaiten entstanden sei, kann jedoch als zutreffend nicht angesehen werden. Aus der Existenz eines Targums zu Esther darf auf das Vorhandensein von aramäischen Uebersetzungen zu den übrigen Hagiographen nicht ohne Weiteres geschlossen werden, da wir sehen, dass die aus der Zeit der ersten Tannaiten stammende Hiob-TTeber- Setzungen eine Anerkennung nicht gefunden haben. In der Zeit der späteren Mischnalehrer aber sind Targum-Werke (vgl. Abschnitt X) überhaupt nicht entstanden. IX. In der oben (Abschnitt III) ermittelten Weise der Vorlesung aus einem schriftlichen Propheten-Targum, ohne vorherigen Vortrag des Urtextes, erkennt man ohne Schwierigkeit die ursprüngliche Form der synagogalen Haftara, Dieser Vortrag aus einem schriftlichen aramäischen Propheten-Targum war unabhängig von der Thora-Vorlesung; viel später1) erst wurde dem Maftir die Pflicht auferlegt, zur Ehre der Thora vorher auch aus dieser ein Stück vorzulesen, wie aus den Stellen Sota 39 B und Megilla 23A zu ersehen ist. אמר ר׳ תנחום אמר ריב״ל המפפז״ר' בנביא צריך שיקרא בתורה תחלה. אמר ניולא מפני מה המפטיר בנביא צריך שיקרא בתורה תחלה וכר. 1) Gegen Hausdorff in Beth Talmud III, S. 120.